Was läuft

Sehr verehrtes Publikum,

ab der kommenden Saison bin ich als Künstlerische Direktorin des Theaters neu in Kempten und neugierig auf die Stadt, ihre Bewohner und den Dialog mit unserem Publiku. Ich freue mich sehr, die engagierte Arbeit von Nikola Stadelmann fortführen zu dürfen. Der vorliegende Spielplan ist sozusagen die Übergabe des Staffelstabes und bietet mir seinem Spielzeitmotto »Standpunkt« die Möglichkeit, über Offenheit und Standfestigkeit, Toleranz und konsequente Haltung nachzudenken.

»Man kann seinen Standpunkt ändern, weil dir niemand verbieten kann, klüger zu werden«, meinte Konrad Adenauer. Für den Philosophen Egon Friedell war die Tatsache, einen einzigen Standpunkt zu vertreten, ein »Platzmangel im Denken«. Auf der anderen Seite hat es immer Menschen gegeben, die standhaft für unverbrüchliche Rechte und Werte eingetreten sind. Zwei meiner Beiträge zu diesem Spielplan beschäftigen sich mit solchen Menschen.

Das ist zum einen Bertha von Suttner, deren Roman »Die Waffen nieder!« seit seinem Erscheinen ein Fanal des Pazifismus ist. Hier schildert von Suttner das Elend des Krieges aus Sicht einer Frau, geißelt den Krieg als »menschlichen Irrwahn« und leitet daraus ein Recht auf Frieden als menschlichen Normalzustand ab. »Die Religion rechtfertigt nciht den Scheiterhaufen, der Vaterlandsbegriff rechtfertigt nicht den Massenmord!« Ihr ganzes Leben hat sie für diese Überzeugung gekämpft. Sie start 1914 am Vorabend des Ersten Weltkrieges mit den Worten »Die Waffen nieder! Sagt es vielen! Vielen!« 1905 erhielt Bertha von Suttner den Friedensnobelpreis.

Den bekam 2014 auch Malala Yousafzai, die zuvor schwer verletzt einen Anschlag pakistanischer Taliban überlebte. In einem Bekennerschreiben wurde der 14-Jährigen vorgeworfen, »sich für Bildung der weiblichen Bevölkerung eingesetzt zu haben«. Der Malala-Fonds kämpft seitdem für ein weltweites Recht auf Schulbesuch und Bildung aller Kinder. Der Monolog »Malala - Mädchen mit Buch« basiert auf ihrer 2014 erschienenen Biografie.

Unsere dritte Eigenproduktion soll eine Überraschung werden, daher bleiben die Seiten im Theaterjahrbuch leer, womit wir wieder bei der Geräumigkeit des Denkens und der Neugier wären...

Offenheit ohne Beliebigkeit, Ernsthaftigkeit ohne Langeweile, Standpunkte vertreten und verstehen: In einem öffentlichen Spielraum der Fantasie, der Kreativität und der Kommunikation ist das möglich. Das ist Theater, und dazu möchte ich alle in Kempten einladen.

Ich freue mich auf eine gute Zusammenarbeit mit allen Mitarbeitern des Hauses, der Stadt und natürlich auf Sie: unser Publikum!

Ihre 
Silvia Armbruster 
Künstlerische Direktorin

  

Sehr verehrtes Publikum,

nach mehr als acht Jahren, fünf davon als Künstlerische Direktorin, sage ich dem THEATERINKEMPTEN Adieu. Acht Jahre voller ungeahnter Herausforderungen, inspirierender Begegnungen, überraschender Wendungen, berührender (Theater-)Momente – und einer nach wie vor ungebrochenen Lust am Theatermachen.

Mit dem vorliegenden Spielplan verabschiede ich mich von Ihnen, liebes Publikum, und lege den Staffelstab in die Hände meiner Nachfolgerin Silvia Armbruster. Das Spielzeitmotto »Standpunkt« markiert also mitnichten einen Schlusspunkt, vielmehr ist es eine Aufforderung, den eigenen Standpunkt zu hinterfragen und andere Standpunkte wahr und ernst zu nehmen, ab und zu den Ort, an dem wir uns – räumlich oder gedanklich – befinden, zu verlassen und damit den Blickwinkel zu verändern. Für derartige Standortwechsel gibt es kaum einen besseren Ort als das Theater, diesen schier unbegrenzten »Spielraum« für gedankliche Experimente, eindrückliche Erlebnisse und kreatives Miteinander.

An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei Ihnen bedanken für die Offenheit und Neugierde, mit der Sie unserer Einladung zum Dialog gefolgt sind – sei es bei den Vorstellungen, Einführungen, Publikumsgesprächen oder »einfach so« im Foyer oder auf der Straße. Ihre Bereitschaft zur konstruktiven Auseinandersetzung mit den Inhalten und Menschen in unserem Theater gehört für mich zum Beglückendsten, was mir in Kempten wiederfahren ist.

Die mehr als erfreuliche Entwicklung des Kinder- und Jugendtheaters, die insbesondere durch die fruchtbare Zusammenarbeit mit den Tübinger KollegInnen des Jungen LTT und ihrem Künstlerischen Leiter Michael Miensopust möglich wurde, eben jener Michael Miensopust, mit dem ich jederzeit wieder auf eine abenteuerliche Reise durch die »großen Stoffe im kleinen Format« gehen würde, die berührenden »LesARTen« mit Oliver Karbus, die augenzwinkernden Konzerteinführungen mit Dr. Franz Tröger und nicht zuletzt unsere Eigenproduktionen, die Herzstücke unserer Theaterarbeit, oft unter schwierigen Bedingungen »geboren« und ohne die vielen Unterstützer gar nicht denkbar – all das und vieles vieles mehr nehme ich voller Dankbarkeit und Zuneigung mit, wenn ich gehe.

Mit der ersten Eigenproduktion der kommenden Spielzeit schließt sich ein Kreis. Jochen Heckmann, der im Oktober 2007 mit seinem Ballett »Cumulus currendus« das THEATERINKEMPTEN eröffnet und drei Jahre später mit dem ideensprühenden Tanztheater »Match Point« meine Künstlerische Direktion eingeläutet hat, widmet sein neues, gemeinsam konzipiertes Stück »G’scheit g’scheitert« den Menschen, die couragiert ihren Standpunkt vertreten und – wie einst Don Quixote – unbeirrt für die Dinge eintreten, an die sie glauben, die sich auch von Rückschlägen nicht einschüchtern lassen und nicht aufgeben.

Nicht aufgeben ist auch das Credo von uns Theatermachern, die wir fast überall mit knappen finanziellen Ressourcen zu kämpfen haben. Nicht nachgelassen haben wir hier in Kempten in unserem Anspruch, unser THEATERINKEMPTEN durch hohe Qualität zu einer nicht mehr wegzudiskutierenden festen Größe im Leben der Stadt und der Region zu entwickeln und möglichst viele Menschen anzustecken mit unserer »Spielfreude« und unserer Lust am intensiven kulturellen und gesellschaftlichen Austausch.

Wir, das sind all diejenigen, die das THEATERINKEMPTEN (und mich) in den letzten Jahren begleitet und auf die unterschiedlichsten Arten unterstützt haben. Stellvertretend sei »mein« TIK-Team genannt, das sich trotz mancher Widrigkeit immer mit unglaublichem Engagement und ansteckender Begeisterung für sein Theater ins Zeug gelegt hat, und das mir auch menschlich arg ans Herz gewachsen ist. Ich bin sicher, dass es sich auch in Zukunft leidenschaftlich für das TIK einsetzen wird.

Ihnen allen und meiner Nachfolgerin Silvia Armbruster ein herzliches TOI TOI TOI für die Spielzeit 2015/16 – Mut, Energie, Biss und immer genügend Fürsprecher in der Stadt, die die Entwicklung des Kemptener Theaters aktiv unterstützen!

Herzlichst
Ihre 
Nikola Stadelmann
ehem. Künstlerische Direktorin
(verantw. für den Spielplan 2015/16)

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