Was läuft
In den Medien

B5 berichtet über die Premiere der TARTUFFE-METHODE


Kreisbote, 15.05.2013

Verführung, Heuchelei, Frömmelei
von Christine Tröger

Vergangenen Freitag feierte „Die Tartuffe-Methode“ im ausverkauften TheaterOben mit einem grandiosen Michael Miensopust und der ebenbürtigen Stefanie Kliemkait ihre Uraufführung – und begeisterte.

Mit dem neuen „Großen Stoff im kleinen Format“ hat das TheaterInKempten (TIK) einmal mehr eine fesselnde Eigenproduktion auf die Bühne gebracht – Stoff zum Schmunzeln und gleichermaßen Nachdenken. Geschickt wurde darin Molières „Tartuffe“ als Vorlage mit der in der Gegenwart spielenden Handlung verwoben. Die Heuchelei, Frömmelei, Verführungskunst und Verführbarkeit aus der Vorlage und natürlich noch viel mehr deren Umsetzung in die Neuzeit erinnert an all die (Skandal-)Geschichten, die heutige Gazetten füllen: Aalglatte Politiker, ausgebuffte Wirtschaftsbosse, süßlich lächelnde Gurus und Konsorten, Reality Shows und Social Media kommen einem in den Sinn.

Wechsel der Ebenen
Die blitzschnellen Wechsel zwischen den Erzählebenen verlangen den Zuschauern einiges an Konzentration ab. Temporeich sind auch die bei zwei Darstellern in zehn Figuren zwangsläufig häufigen, blitzschnellen Rollenwechsel der Akteure, die dem Stück eine eigenwillig-vergnügliche Note verpassen. Zunächst muss Molière aber noch ein bisschen warten, denn statt Tartuffe betritt der schmierig grinsende Erfolgsversprecher und Bestseller-Autor Jean Baptiste Cul (in beiden Rollen Michael Miensopust) die Bühne, um die Zuschauer zu motivieren ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und – sein Buch zu kaufen: „Glauben Sie mir, die ‘Tartuffe-Methode’ wird Ihnen helfen“. Wie der frömmlerische Tartuffe aus Molières Komödie ist auch der moderne Bauernfänger ein scheinheiliger Manipulator und nicht nur moralisch auch ein ziemlich abgehalfterter geiler Bock. Unter dem Deckmantel des Christuskreuzes lässt die „Frommbacke“ im wahrsten Sinne des Wortes die Hosen runter.

Doppelzüngige Schlange
Seine Assistentin beziehungsweise Molières Magd Dorine (beides Stefanie Klimkait) darf auch gerne noch einen Blusenknopf mehr öffnen, während sie den Boden auf Knien schrubbt. Entsprechend dem Herrn Tartuffe bei Molière soll der Leiter des Erfolgsseminars den Menschen das geben, was „mein Auto, mein Haus...“ nicht schaffen: Harmonie und Zufriedenheit, einen Sinn des Lebens. An willigen Opfern jedenfalls herrscht in beiden Erzählebenen kein Mangel. Aber auch die Seminar-Assistentin Nadine Maigret entpuppt sich am Ende nicht als Opfer, sondern als doppelzüngige Schlange, die ihrerseits mit der Lebenshilfe „Die Maigret-Methode“ ihren Beitrag für das Seelenheil unters Volk zu bringen versucht. Was es damit auf sich hat ist noch in zwei Vorstellungen am heutigen Mittwoch, 15. Mai, sowie Donnerstag, 16. Mai, zu ergründen.


Vorbericht zu den 3. Kemptener Schultheatertagen 2013

Allgäuer Zeitung, 19.04.2013

Immer mehr Ensembles machen mit
Schultheatertage: Heuer stellen sich 21 Gruppen vor
von Klaus-Peter Mayr

Die Schultheatertage in Kempten mausern sich: Bei der dritten Auflage vom 10. bis 14. Juni im Stadttheater werden sich 21 Ensembles
mit 23 Aufführungen präsentieren – erheblich mehr als in den beiden vergangenen Jahren. Der Spielplan in dieser Woche ist prall
gefüllt mit Vormittags-, Nachmittags- und Abendvorstellungen. „Wir haben mit dem Angebot offenbar einen Nerv getroffen“, stellte
Theaterdirektorin Nikola Stadelmann bei der gestrigen Programm-Präsentation fest. „Der Zuspruch hat uns bestätigt.“ Das Theater werde „fast überrollt“ mit Anfragen, so Stadelmann weiter. Allerdings bekomme man – noch – alle Ensembles unter, die mitmachen wollen.

Insgesamt werden 600 Schülerinnen und Schüler aller Altersklassen auf der Bühne stehen, teilweise sogar mit selbst geschriebenen
Stücken. Ein Gutteil der Theatergruppen kommt von Schulen aus Kempten und Umgebung – von der Förderschule bis zum Gymnasium. Außerdem machen Schulen aus Sonthofen, Immenstadt, Marktoberdorf und Füssen mit. Inzwischen haben sich einzelne Schulen vernetzt und leisten sich gegenseitig Hilfe – etwa bei den Requisiten. Der Austausch zwischen den Schulen habe erfreulicherweise zugenommen, so Stadelmann. Das zeige sich auch beim Besuch: In den Aufführungen sitzen nicht nur die „eigenen“ Leute im Publikum, sondern auch Schüler
und Lehrer anderer Schulen.

Schirmherrin ist erneut Heidi Netzer, die Frau des Kemptener Oberbürgermeisters und von Beruf Lehrerin. Sie hat im vergangenen Jahr mit ihrer Klasse eine Inszenierung vorgestellt und erfahren: „Da steckt eine Menge Arbeit drin. Aber sie lohnt sich.“ Das Interesse am Theater(spielen) an ihrer Schule sei durch die Beteiligung gewachsen. Parallel zu den Vorstellungen gibt es im Theaterfoyer ein interaktives Kunstprojekt. Gestaltet und betreut wird es von der Fachakademie für Sozialpädagogik der christlichen Jugendhilfe Kempten. Unter Leitung von Carina Streng haben Studierende Plastiken vorbereitet, welche die Theaterbesucher vervollständigen können.

Karten-Vorverkauf unter Telefon 0831/2525-632.

>> Vorbericht TV Allgäu zu den 3. Kemptener Schultheatertagen 2013


Vatermord und Inzest: Kemptener Theaterclub probt für Ödipus

Es ist einer der Klassiker der griechischen Mythologie, der Künstler aller Richtungen inspiriert hat: Ödipus - die Geschichte vom Mord des leiblichen Vaters und der Heirat mit der eigenen Mutter. Nicht nur Maler und Musiker haben den Stoff für sich entdeckt, auch Schriftsteller haben den Ödipus-Mythos immer wieder neu interpretiert. Sophokles Tragödie wird jetzt von der Münchner Theaterproduktion a.gon auf die Bühne gebracht. Die Premiere ist im Theater in Kempten am 10. April. Mit dabei auch der Theaterclub des TIK.
>> Vorbericht von TV Allgäu über die Mitwirkung des TIK-Theaterclubs bei der Premiere von "ÖDIPUS".

Kritik zum Meisterkonzert_6

Allgäuer Zeitung, 12.03.2013

Prickelnd und berauschend
Das Quatuor Ardeo, der Pianist Oliver Triendl und die Geigerin Geneviève Laurenceau bieten einen packenden Abend
von Rainer Schmid

Skandal! Katastrophe! Von den 60 000 Zeilen in Reclams Konzertführer betrifft den rumänischen Wahlfranzosen George Enescu gerade
mal eine halbe, und den Pariser Impressionisten Ernest Chausson keine einzige Zeile. Was Meisterkonzert-Organisator Franz Tröger
sichtlich und hörbar auf die Palme bringt. „Du schaust so angriffslustig aus, Franz“, stellte Theater-Chefin Nikola Stadelmann denn auch gleich zu Beginn des kultigen Einführungsgesprächs zum sechsten Meisterkonzert der Saison fest. Es ist ein Spiel, das die Theater-
Hausherrin und der Konzert-Guru hier spielen. „Infotainment“ nennen es die Amerikaner. Informativ und unterhaltsam ist es allemal. Durchschaubar als Spiel, deshalb reizvoll und amüsant. Der anwesende Stargast, Oliver Triendl, spielt sofort mit: „Dieser Skandal ist ja umso erstaunlicher, weil Pablo Casals den Enescu mal als ‚Mozart des 20. Jahrhunderts’ bezeichnet hat. Wie Mozart war auch Enescu vielseitig genial begabt, als Geiger, Pianist, Komponist und Dirigent.“ Die Violinsonate f-Moll im anschließenden Konzert enthüllt für die Besucher im locker besetzten Parkett eine kleine Probe von Enescus Genie. Selten so prickelnd unbekannte Musik erlebt! Geneviève
Laurenceau, arrivierte Geigerin aus Straßburg, weiß sich mit dem Münchner Klavier-Virtuosen Triendl einig in der leidenschaftlich
bewegten Interpretation dieses Werks: flüsternde Neueinsätze, Ganztonleiter-Passagen, saftig-zigeunerischer Drive, dann wieder
trocken-stockende „Tranquillo“-Begleitung unter schmerzlichsüßem Höhenflug der Violine. Der „Vif“-Finalsatz nimmt die schwelgerische Wildheit des Eingangssatzes wieder auf, haucht sich aber überraschend im Pianissimo aus.

Vier Frauen flambieren Fauré
„Ich brenne“ heißt, aus dem Lateinischen übersetzt, der Name des Streichquartetts „Ardeo“. Eigens aus Paris angereist, flambieren diese vier jungen Frauen, noch angeheizt von Oliver Triendl am Flügel, virtuos und temperamentvoll das Klavierquintett d-Moll von Gabriel
Fauré. Mit drei entschiedenen Schlägen (D, A, E) setzt nach der Pause das Konzert D-Dur für Violine, Klavier und Streichquartett von
Ernest Chausson ein – wie schon Fauré und Enescu auch er ein Richard-Wagner-Fan. An dieses deutsche „Phantom“ (Debussy) erinnert
besonders im Grave-Satz ein chromatisch ab- und aufsteigendes Sechston-Ostinato-Motiv. Mächtigorchestrale Klangfülle erzeugen die
Solisten Laurenceau und Triendl mit dem Quatuor Ardeo. Ein berauschend herrliches Doppelkonzert ist das, mit filigran-durchsichtiger
Streicher-Harmonik. So dass man besonders gut heraushören kann, was das Wort „Konzert“ ja bedeutet: Wettstreit der Instrumente.
Wie hatte doch Theaterchefin Stadelmann am Schluss der Konzert-Einführung ihre Gesprächspartner Tröger und Triendl verabschiedet? „Danke für das nette Streiten.“ Also klar ein ideales Vorspiel für das anschließende Konzert.


Kritik zu "Enigma"

Kreisbote, 27.02.2013

Giftig und zugleich feinfühlig
von Christine Tröger

Zwei Schüsse, im Hintergrund die Musik von Edgar Elgars 14 „Enigma-Variationen, op.36“ – und die Rätsel sind bereit sich zu entfalten. „Enigma“ bedeutet „Rätsel“ und ist Titel des Schauspiels von Eric-Emmanuel Schmitt, das der Regisseur Oliver Karbus als viertes Stück für das Theater in Kempten (TIK) inszeniert hat.

Vergangenen Samstag feierte das aus giftigen bis feinfühligen Dialogen gestrickte Stück auf der großen Bühne mit zwei unglaublich packenden Schauspielern und einem rundweg begeisterten Publikum Premiere. Bisweilen fast unerträglich steigern sich die beiden ungleichen Kontrahenten in ihre Suche nach der Wahrheit – oder sind es individuelle Wahrheiten, die kleine oder auch keine gemeinsamen Schnittmengen haben? Wie viele „Gesichter“ verbergen sich in dem scheinbar für jeden doch offensichtlich nur einen Gesicht, das dennoch für jeden eine andere Wahrheit bereit hält? Wann sind wir wahrhaftig? Oder sind wir es im Grunde immer, nur eben im Rahmen der jeweiligen Rolle, die vielleicht nicht einmal eine Rolle, sondern nur eine unserer vielgestaltigen Teilwahrheiten ist?

Wie ein roter Faden zieht sich Elgars Komposition – er selbst hatte einst den Hinweis auf ein darin verstecktes, bis heute nicht gelöstes Rätsel gegeben, dass neben dem Originalthema noch ein zweites Thema darin ertöne, aber nicht gespielt werde – wie ein bedeutungsschwangeres Symbol durch die dramatischen, voller überraschender Wendungen steckenden Offenbarungen, die sich die beiden Protagonisten gegenseitig abringen.

Ausgerechnet dem Provinzjournalist Erik Larsen (Thomas Lackner) gewährt der misanthropische Literaturnobelpreisträger Abel Znorko (Harro Korn) ein Interview zu seinem neuesten Beststeller „Die uneingestandene Liebe“. Der aus dem Briefwechsel zwischen einem Mann und einer Frau bestehende Liebesromans ist den Initialen „H.M.“ gewidmet, an deren Identität sich ein erbittertes verbales Katz-und-Maus-Spiel zwischen den beiden Männern entfaltet. (Er-)Lösungen jagen Rätsel, jagen (Er-)Lösungen, im Mittelpunkt die Liebe und – ja – eine Frau: Helene Metternach, die in wechselnden Hintergrundbildern zunächst als scheinbare Landschaftsaufnahme, dann zunehmend deutlicher als Frauenkörper wahrnehmbar, immer anwesend ist – ohne jemals ihr (wahres?) Gesicht preis zu geben. Arrogant, verletzend, sich damit brüstend ein Despot zu sein, wird Znorko nicht müde seinen Gast zu demütigen. Hartnäckig aber immer respektvoll im Umgang mit seinem Gegenüber wirft dieser mehrfach sozusagen das Handtuch und geht, um jedesmal durch zwei erneute Gewehrsalven darauf aufmerksam gemacht zu werden, dass der zynische Einsiedler ihm noch etwas zu sagen hat.

Und doch entwickelt sich im Verlauf auch eine fast zarte Komponente in dieser sich gegenseitig eher feindselig umkreisenden Beziehung. Ein Werk, das die Kombination Liebe, Tod und Wahrheit zu bewerkstelligen vermag, wenn auch vielleicht auf andere Art, als der Zuschauer fast bis zum Schluss zu wissen glaubt. Soviel sei verraten: Es ist am Ende weniger Znorko, der Antworten auf Fragen geben kann; es ist der vermeintliche Interviewer, der ihm die – oder wieder nur eine? – Wahrheit offenbart.

Kritik zu "Enigma"

Feuilleton, Allgäuer Zeitung, 25.02.2013

Die doppelte Helene
von Michael Dumler

„Sie lieben nicht die Liebe, sondern das Liebesleid“, schleudert Erik Larsen seinem Kontrahenten Abel Znorko entgegen. „Unsinn“, erwidert der – und scheint doch zu zweifeln. Um Sein und Schein geht es in Éric-Emmanuel Schmitts Kammerspiel „Enigma“, das Oliver Karbus am Theater Kempten (TiK) mit einem brillanten SchauspielerDuo packend in Szene gesetzt hat. Zum vierten Mal inszeniert der Österreicher eine Eigenproduktion des Kemptener Theaters. Mit Schmitts Zwei-Personen-Stück ist ihm ein Wurf gelungen. Der Provinzjournalist Erik Larsen (Thomas Lackner) besucht den auf einer norwegischen Insel lebenden LiteraturNobelpreisträger Abel Znorko (Harro Korn). Dessen 21. Buch, ein Briefwechsel zwischen einem Mann und einer Frau mit dem Titel „Die uneingestandene Liebe“, wurde zum Bestseller. Schnell wird klar, dass es nicht um ein Interview geht, sondern um viel mehr: um Liebe, Tod – und um die Wahrheit.

Stühle, Bücher, Schnaps und Gläser

Beide Männer sind untrennbar durch dieselbe Frau, Helene Metternach, miteinander verbunden. Schmitts Text segelt dabei haarscharf an der Grenze zum Kitsch entlang. Doch wie das ungleiche Duo verbal und physisch aufeinanderprallt, ist hörens- und sehenswert. Mit expressionistischer Mimik und Gestik treibt Thomas Lackner als scheinbar naiver Journalist seinen zynischen Gesprächspartner in die Enge. Geduldig erträgt er Znorkos Demütigungen. Dieser, ein Despot und Egoist, wird mit markiger Stimme und Herzblut von Harro Korn verkörpert. Am Ende leidet man sogar mit solch einem selbstgefälligen Scheusal mit. Regisseur Karbus hat die Bühne des Stadttheaters nur karg ausgestattet: neun Stühle, ein Bücher-Stapel, eine Flasche Schnaps mit zwei Gläsern. Große Gefühle brauchen Raum. Und den nutzen die Darsteller überzeugend. [...]


Vorbericht zur Premiere von "Enigma"

Allgäuer Zeitung, 16.02.2013

Über Sein und Schein
„Enigma“ ist ein Thriller über die Irrungen und Wirrungen der Liebe
von Michael Dumler

Es ist ein Rede-Duell zwischen einem alten Literatur-Nobelpreisträger und einem jüngeren Journalisten, ein Thriller-Kammerspiel
und eine fantastische Geschichte über die Irrungen und Wirrungen der Liebe: „Enigma“ hat der belgische Autor Eric-Emmanuel Schmitt ein Zwei-Personen-Stück betitelt. Viele Rätsel gilt es darin zu lösen – für die Figuren wie für die Zuschauer. „Am Schluss ist da eine Wahrheit auf der Bühne, mit der man gar nicht gerechnet hat“, sagt Oliver Karbus, der das Drama am Theater in Kempten (TiK) inszeniert. Am 23. Februar feiert die TiK-Eigenproduktion Premiere. Es ist nach von Horváths „Kasimir und Karoline“ (2011), Strindbergs „Totentanz“ und Kellys „Waisen“ (beide 2012) die vierte Regiearbeit des Österreichers für das Kemptener Theater.  [...] Nun also „Enigma“, ein Stück, in dem es – gemäß dem aktuellen TiKSpielzeitmotto „Scheinwelten“ – viel um Sein und Schein geht. Lackner spielt den norwegischen Journalisten Erik Larsen, der den auf einer Insel einsam lebenden Literaturnobelpreisträger bel Znorko (Korn) interviewen will: Der Schriftsteller schießt zunächst mit dem Gewehr auf ihn und erweist sich dann als sperriger Gesprächspartner. Doch Larsen lässt nicht locker. Er will wissen, ob Znorkos erfolgreiches 21. Buch, ein Liebesroman in Briefform, autobiografisch ist.

„Enigma-Variationen“ von Elgar
„Dieser Znorko ist ein wunderbarer Charakter mit vielen Ebenen und Schichten“, schwärmt der 57-jährige Harro Korn. Das gilt freilich auch für die Figur des Erik Larsen. „Beide sind durch eine gewisse Besessenheit gekennzeichnet“, sagt Thomas Lackner (48). Wie die beiden bei den Proben das Duell gestalten, das lässt für die Premiere einiges erwarten. Eine wichtige Rolle spielen im Stück auch die „Enigma-Variationen“ ein Orchesterwerk von 1898, das den Ruhm des Briten Edward Elgar mitbegründete. Dass der Zwei-Personen-Thriller auf der großen Bühne des Kemptener Theaters funktioniert, davon ist Regisseur Oliver Karbus überzeugt. „Das Stück verträgt den großen Raum. Da muss auch viel Luft zwischen diesen beiden Männern sein.“


Kritik zu "Ganz und gar wandelbar"

Allgäuer Zeitung, 16.02.2013

Fantasievoll und verspielt
Tanztheater - In "Ganz und gar wandelbar" schlüpfen die Tänzer in die Rolle von Tieren
Von Jana Schindler

„Die Ideen sind so hinreißend und poetisch, dass sie bei einem Glas Wein nur noch nachwirken sollen“, sagte eine Zuschauerin nach dem Tanzstück „Ganz und gar wandelbar“ im Theater-Oben. Choreografin Teresa Rotemberg hatte zum Nachgespräch ihrer Produktion mit der Company Mafalda eingeladen. Doch Worte braucht es nicht für dieses ungeheuer fantasievolle, verspielte Tanzstück, das die argentinische Choreografin für Kinder ab fünf Jahren konzipiert hat.

Vor den Augen der Zuschauer verwandeln sich die beiden Tänzer Piera Gianotti und Emanuel Rosenberg in immer neue Fantasiefiguren.
Insekten mit großen Glupschaugen, Robben, Gorillas oder Frösche sind zu erahnen, wenn die Tänzer nur mit Papier und Papierklebebandrollen und natürlich ihrer Bewegungssprache neue Szenen voller Poesie und Witz schaffen. Irrwitzig, wenn sich Tänzerin
Piera Gianotti mit den Klebebandrollen eine überdimensionale Brille bastelt und als verschrecktes Insekt durch den Raum hüpft. Monströs,
wenn sie sich die Kleidung mit Papier ausstopfen und mit überdimensionalen Hintern und Bäuchen „kraftmeiernd“ stolzieren. Wem
sind sie jetzt ähnlicher? Einem Tier oder einem Menschen? Zum Balanceakt wird, wenn Emanuel Rosenberg auf hohen Pappzylindern rüsselschwingend einen Elefanten gibt.

In der Vormittagsvorstellung, die Schüler der Astrid-Lindgren-Schule und Schüler der Flex-Klassen besuchten, durften die Kinder im anschließenden Workshop sich selbst zu Elefanten verwandeln

Kurzkritik zu "Störtebekers Sohn"

Allgäuer Zeitung, 05.02.2013

Temporeiche Fantasiereise mit "Störtebekers Sohn"

Die Meister des Erzähltheaters waren wieder in Kempten: Felix Schmidt vom Kinder- und Jugendtheater des Landestheaters Tübingen schrieb und inszenierte das Erzählabenteuer „Störtebekers Sohn“ als unterhaltsame, temporeiche Fantasiereise eines Jungen in die Piratenwelt. Und Schauspieler Henry Braun riss die Kinder und Erwachsenen im Theater-Oben des Stadttheaters nicht nur als „Robin Hood der Meere“, sondern auch in zig anderen Rollen mit und verkündete ganz nebenbei eine nicht ganz unwichtige Message: Die wahren Helden sind die, die mutig sind, das zu tun, was sie für richtig halten, auch gegen äußere Widerstände. Kräftiger Applaus und reges Interesse beim Nachgespräch für diese packend inszenierte, aktualisierte Heldengeschichte.

Kritik zu "Am Ziel"

Allgäuer Zeitung, 17.11.2012

Wenn das Lachen gefriert
Theater Jutta Richter-Haaser brilliert in Thomas Bernhards „Am Ziel“ als kalte, desillusionierte Mutter – Packende Inszenierung des Nürnberger Staatstheaters

Von Jana Schindler

Wie Ravel in seinem Boléro zwei ähnliche Themen bei gleichbleibendem Trommelrhythmus schier unendlich wiederholt und dabei eine unglaubliche Sogwirkung erzeugt, so besitzt auch das immerwährende Austeilen von sprachlichen Gewalttätigkeiten, das monoton-zwanghafte Koffer ein- und auspacken und das leitmotivische Klagen über ein misslungenes Leben in Thomas Bernhards „Das Ziel“ eine erschreckende Anziehungskraft.
In einer äußerst präzisen Inszenierung von Klaus Kusenberg konnte das Kemptener Publikum einen Abend voll großartiger Schauspielkunst und abgründiger Erkenntnis erleben.
Der Österreicher Bernhard ist schonungslos. Seine sprachliche Brutalität legendär, aber nie ohne Komik. „Am Ziel“ ist ein Stück über Liebe und Gewalt, Einsamkeit und Ausweglosigkeit und auch über das Theater. „Theater ist eine der Möglichkeiten, es auszuhalten, nicht wahr?“, sagt die Mutter einmal. Sie wird von der grandiosen eigentlich schon im verdienten Ruhestand weilenden Schauspielerin Jutta Richter-Haaser verkörpert.
Mutter und Tochter fahren seitdem Tod des Vaters seit 20 Jahren nach Katwijk ans Meer. „Aber sind wir am Ziel ist alles das Verkehrte“, so die Mutter. Kusenberg seziert im ersten Teil eine pathologische Abhängigkeit von Mutter und Tochter. „Du gehörst
mit Haut und Haaren mir.“, Ich gebe dich niemals frei“, droht sie. Dabei ist ihre gewalttätige Sprache selbst nur Ausdruck ihrer eigenen psychischen und geistigen Beschädigung.

Wie ein verwundetes Reh
Die Tochter, brillant gespielt von Adeline Schebesch, ist Körper gewordene Angst. Ihre Schritte stelzend. Stocksteif. In geraden Linien. Eine Abweichung wäre ihr Tod. Die Augen aufgerissen. Ihre Sinne geschärft und überreizt. Ein zu Tode verwundetes Reh, das seine Wunden nicht lecken kann, weil es eine Rüstung trägt: Faltenrock, spitzer Blusenkragen, akkurater Pony und Pagenkopf. Hörig und unterwürfig spricht Schebesch ihre Sätze, als wenn sie Fragen wären: „Ja, Mama?“ – „Aber er ist doch bekannt?“ Wenn sie ihre wenigen Sätze derVerteidigung aus sich hervorquält, dann verteidigt sie nur den dramatischen Schriftsteller, nie sich selbst.
Thomas Bernhard steigert die Bedürftigkeit des Menschen nach psychischem Gleichgewicht in diesem Stück ins kaum Erträgliche. Dabei ist die Inszenierung von Klaus Kusenberg spannend rhythmisiert. Immer wieder gibt es eingefrorene Szenen, in denen das „Aneinandergekettetsein“
grotesk überzeichnet zelebriert wird: der Gnaden-Cognac-Trunk der Tochter, das Ring-Anstecken, das Niederknien und das Zuckerdosen-Liebesspiel.

Überraschende Heiterkeit
Der zweite Teil bekommt mit der Anwesenheit Thomas Nunners als dramatischer Schriftsteller eine überraschende Heiterkeit und Leichtigkeit. Und tatsächlich hält diese Inszenierung die Möglichkeit der Veränderung bereit. Anders als bei Bernhard folgt die Tochter bei Kusenberg ihrer Mutter nicht nach, sondern geht mit dem dramatischen Schriftsteller ab. Bravos und intensiver langer Applaus


Kritik zu "Der rote Schal"

Allgäuer Zeitung, 6.11.2012

Demo der Senioren
Von Jana Schindler

„Kein Kirchenchor hätt’ uns aufgenommen, doch das Theater lässt uns nicht verkommen“, singt Hanna Laser ganz im Brechtschen Sprechgesang mit Maske als letzte Nummer. Zuvor ging das ungewöhnliche, berührende und mutige Generationen-Theater-Projekt „Der rote Schal oder zu (über)leben ist eine Kunst“ über die Bühne – mit etwa 30 Spielern des „Ersten Allgäuer Seniorentheaters“, des „Theaters FrauenZimmer“, Kindern und Jugendlichen und der „SeniorenHausBand“ mit der Sängerin Paula Dorn. Insgesamt sahen über 1000 Besucher die drei Aufführungen im Stadttheater Kempten. Es steckt allerdings auch jahrelange Arbeit in diesem BiografieTheater, einem Theater also aus erzählten Erinnerungen von im Allgäu lebenden Senioren – für die Bühne zusammengeschichtet und miteinander verwoben von der Theatertherapeutin und Regisseurin Johanna Hartmann. Sie hat einen idealen Ort der Begegnung, aber auch des Wartens und Hoffens gefunden: den Bahnhof. Auf der Bühne Eisenbahnschienen, die in den Himmel wachsen. Sie trennen einen hinteren Erinnerungsraum vom Gegenwartsraum ab.
[…] Eine Frau erzählt, wie sie ihren Mann, der sie schlägt, in einer Nacht-und-Nebel-Aktion verlässt und dabei ihre Tochter zurücklassen muss. Das lässt niemanden kalt, ist es doch eine Geschichte, die hier in diesem Raum jemandem passiert ist. Absolut berührend! Zu dem Beatles Song „Hey Jude“ wird ein Hauch von Hair, Hippies und Woodstock spürbar. Total mutig! […] Der IC 55 fällt schlussendlich aus: Dafür ist eine Demo der Alten angekündigt: Auf ihren Schildern ist „Toleranz“, „Lebensfreude“, „Schönheit“ zu lesen. Sie skandieren „Wir sind die Alten mit den schönsten Falten“ und „Sex ohne Pille, das ist mein letzter Wille“. Wunderbar erfrischend! Nach dem jubelnden rhythmischen Applaus spielt die Seniorenhaus-Band einfach weiter, und einige ältere Damen tanzen aus dem Theater. Das macht Mut, selbst alt zu werden.

Kritik zum Meisterkonzert_2

Allgäuer Zeitung, 30.10.2012

Eine Sternstunde
Das Radio-Sinfonieorchester Prag und der Geiger Benjamin Schmid verzücken im Stadttheater
Von Markus Noichl

Sternstunde – zu diesem Wort muss man greifen, will man das Meisterkonzert mit dem Radio-Sinfonieorchester Prag und dem Geiger Benjamin Schmid im Theater in Kempten (TiK) einordnen.
Die Prager sind eines der führenden Orchester Europas. Schmid einer der führenden Geiger. Wie ist es möglich und bezahlbar, Gäste dieses Kalibers nach Kempten zu holen? Schmid kommt weiterhin aus Freundschaft zu Konzertplaner Dr. Franz Tröger, auch wenn sein Name und Status wachsen. Die Prager sprangen ein, als Ersatz für ein verhindertes polnisches Orchester, eingefädelt auch durch Dirigent Daniel Raiskin. Wer also etwas von Europas Orchester-Landschaft versteht, kam mit großen Erwartungen zu diesem Abend. Und wurde nicht enttäuscht.

Schon Carl Maria von Webers Oberon-Ouvertüre bewies den Rang dieser Musiker. Irrlichternd und trotzdem atemberaubend präzise fegte der Zug des Elfenkönigs durchs Unterholz. Rasende Streicher-Läufe, nicht von dieser Welt. 1826, einige Monate vor Felix Mendelssohns „Sommernachtstraum“, wurde dieser Anderwelt-Zauber uraufgeführt. Elfische Zeiten damals.

Vom Anfang der Romantik zum Höhepunkt: Das 1879 uraufgeführte Violinkonzert von Johannes Brahms. In einer Zeit, da solistische Selbstdarstellung üblich war und das Orchester oft, etwa bei Paganini, nur als Steigbügelhalter Begleitakkorde lieferte, schaffte Brahms die musikalische Diktatur ab. Schuf eine demokratische sinfonische Symbiose, die ihrer Zeit weit voraus war. Individuum (Solist) und Gesellschaft (Orchester) auf Augenhöhe flechten ein Netzwerk an Melodien und Harmonien.

Zukunftswerkstatt und Lebensschule
Genau in diesem Sinn wurde das Konzert realisiert: Das Publikum wurde Zeuge eines sozialen Meisterwerkes.
Ein Wunder des „Aufeinander Hörens“. Zukunftswerkstatt und Lebensschule in Tönen. Dass Brahms mit diesem Werk Zeitgenossen überforderte und so viel Unverständnis erntete, dass er Entwürfe für ein weiteres Violinkonzert verbrannte, sei erwähnt. Nehmen wir den zweiten Satz: das Thema wird zunächst von der Oboe vorgetragen, als ob sich der Himmel öffnet. Die Geige ist selbst nicht kreativ, sondern beeindruckt, greift diese Klang-Vision auf und führt sie weiter. Erst nachdem sie diese Lektion in Bescheidenheit bewältigte, darf sie im Finale nach vorne an die „Frontline“. Das ist Musik, die nicht nur flinke Finger erfordert, sondern mehr noch Herz und Seele. Da war sie greifbar, die göttliche Lauterkeit glücklichster musikalischer Stunden.

Augenzwinkernde Zugabe nach Paganini
Dass er auch klassisch brillieren kann, zeigte der Salzburger Schmid augenzwinkernd mit der Zugabe.
Mit der „Paganiniana“ variiert der Violin-Virtuose Nathan Milstein das berühmte Thema aus Paganinis 24. Caprice. Ganz ins Diesseits zurück führte die achte Sinfonie von Antonin Dvorˇák von 1889. In diesem fröhlichen Klanggemälde des bodenständigen Böhmen darf sich das Orchester auch austoben. Nach der Brahms-Innerlichkeit gab es hier richtig was zu tun. Dvorˇák wollte mit diesem Werk etwas völlig neues probieren. Bis zum deftigen „Tschingderassabum“ lässt er Fontänen und Geysire an Lebensfreude quellen und lässt sich nicht von sinfonischem Regelwerk bremsen.Das Publikum war gefordert, sein musikalisches Verdauungssystem auf üppige Kost und kräftige Reize umzustellen. Eine Reise durchs akustische Schlaraffenland. Als beschwingte Zugabe einer von Dvorˇáks „Slawischen Tänzen“.


Kritiken zu "Paradise for beginners"

Kreisbote, 16. Oktober 2012

Gelungene Premiere im TIK
Von Christine Tröger

Vieles blieb am Ende offen bei der Tanztheater-Eigenproduktion „Paradise for Beginners“, zugleich Saisonstart im Theater in Kempten und Auftakt zum 12. Kemptener Tanzherbst. Und das war durchaus gut so. Mangels vorgefertigter Antworten bot das durchweg fesselnde und absolut sehens- werte Stück zum Thema – und Spielzeitmotto – „Scheinwelten“ am Freitag bereits in der Pause bei unterschiedlichsten Interpretationsansätzen anregenden Diskussions- stoff unter den Premierengästen. Wurde doch die immerwährende Suche des Men- schen nach Wahrheit thematisiert und die Zuschauer dabei mit der Behauptung konfrontiert, dass wir alle mittels unserer Fantasie sowie einer Portion Selbstbetrug unser eigenes Paradies schaffen können.

Abstrakter als die bisherigen, von Jochen Heckmann choreographierten Eigenproduktionen, geht die Choreographin Caroline Finn der Welt von Schein und Sein in aneinandergereihten, kleinen, bisweilen humorvollen, aber auch ernst-tiefsinnigen Aspekten nach. Homogen stark die drei Protago- nisten Imma Asensio Jimenez, Romain Guion und Dimitri La Sade-Dotti, deren tänzerische Leistung und Ausdruckskraft allein schon für einen genussvollen Abend sorgten. Während die Zuschauer noch ihre Plätze einnahmen, betrachteten sie bereits – noch ganz unaufgeregt – die weißen, leeren Kulissenwände wie interessante Gemälde im Museum. Ein plötzlich entstandener schwarzer Fleck – der sich bald schon zum Gesicht wandelte – auf der Frontkulisse sorgte für Irritation unter den Dreien und brachte schlagartig Bewegung in die Szene. War es das Tor, das sich zu den individuellen Fantasiewelten öffnete? Die Welten, die nur für denjenigen existieren, der sie in sich entdeckt und lebt? Welten, die sich abwechselnd in rasantem Tempo und hektischen, abgehackten Bewegungen abspielten, dann wieder in Zeitlupe, manchmal mit Schnittmengen, die Individuen miteinander verbanden und sich schon gleich wieder in Paralleluniversen auflösten.

Starke Lichtgestaltung
In ständige Interaktion mit dem Tanzgeschehen traten die Kulissenmalereien von Katharina Neuweg, die auch in einer kleinen Rolle als Tänzerin zu sehen war. Eine besondere Funktion kam dabei dem sich (...) immer weiter vervollständigendem Frontbild zu, das die in Musik wie Bewegung manchmal fließenden, dann wieder abrupten Wechsel zwischen hektischem Gefühlschaos und versunkener Ruhe, zwischen selbstzerstörerischer Verzweiflung und zufriedener Glückseligkeit unterstreichend be- gleitete. Stark im Spiel der bisweilen absurd anmutenden Scheinwelten war auch die Lichtgestaltung von Günter Schweikart, die dem Ungreifbaren des Stückes flüchtige Substanz verlieh.

Erkannte der eine Zuschauer das Leben in einer Anstalt, waren die Kulissen für den anderen schlicht die Begrenzungen zwischen Fantasiewelt und Realität. War die am Ende auftauchende vierte Person etwa ein Spielverderber, der sich die Fantasien der zuvor jeweils in die Haut eines anderen geschlüpften Protagonisten regelrecht einverleibte? Oder war es ein ätherisches Fantasiewesen, das neue Scheinwelten gebar? Oder....? Die „Wahrheit“ liegt bei diesem Stück wohl in der individuellen Fantasiewelt jedes Einzelnen. Der Applaus jedenfalls war begeistert und lang.


Augsburger Allgemeine, 15. Oktober 2012

Schön schräg
Von Michael Dumler

Zu Beginn der neuen Spielzeit setzt das Theater in Kempten (TiK) mit einer fesselnden Eigenproduktion
und Uraufführung ein Ausrufezeichen. Das Tanztheater „Paradise for Beginners“ der Choreografin Caroline Finn im ausverkauften Theater-Oben war zudem der Startschuss für den 12. Kemptener Tanzherbst.

Der Mensch ist ein Suchender: Drei junge Tänzer – die Spanierin Inma Asensio Jimenez und die Franzosen Romain Guion und Dimitri La Sade-Dotti – studieren in „Paradise for Beginners“ ihre Welt. Und die ist zunächst weiß. Links, rechts jeweils vier schräg angeordnete Wände. Hinten eine Wand mit einer Art blickdichtem Fenster, das plötzlich beleuchtet wird. Ein Pinselstrich, wie von unsichtbarer Hand auf die Fläche gezaubert, erweckt die Neugier. Das Spiel beginnt.

„Scheinwelten“ ist das Motto des neuen Spielplans. Und mit Sein und Schein, Wirklichkeit und Wahn spielt Finns Tanztheater. Auf den einen Pinselstrich folgen weitere, und die schwenkbaren Wände überraschen auf ihrer Rückseite mit bunt-abstrakten Bilderwelten. Der sich verändernde Raum manipuliert die Menschen, die wie Süchtige fremdgesteuert sind. Sie taumeln, sprechen mit sich selbst oder einem imaginären Anrufer, bilden Allianzen. Zu getupften Klavierklängen geben Jimenez und La Sade-Dotti ein Liebespaar, während hinter ihnen aberwitzige Geräusche von Guion Besitz ergreifen. Eine starke, berührende Szene.

Nach der Pause geht die Mutation der Menschen weiter. Sie torkeln dem Wahn entgegen, verlieren ihren Willen, ihre Identität (durch einen Kleidertausch) und ihr Gesicht. Nachdem sie von der Bildfläche verschwunden sind, durchbrechen sie mit Tüten auf dem Kopf die nunmehr düstere Leinwand. Mit der ebenfalls verhüllten Malerin (Katharina Neuweg) setzen sie zu „Vai Vedrai“ von Cirque du Soleil zu einem Totentanz an. Schaurig-schön, aber auch rätselhaft ist dieses Tanztheater (nochmals 25. Oktober, 9., 10., 11. November). Mit „Enigma“ nach Éric-Emmanuel Schmitt (Februar 2013) und einer Ein-Personen-Adaption von Molières „Tartuffe“ im Mai stehen beim Theater in Kempten zwei weitere Eigenproduktionen in dieser Spielzeit an. Bis 21. Oktober ist hier noch der Tanzherbst zu Gast, etwa mit einer Uraufführung der Berliner Company „Nightmare before Valentine.


Aus der Kritik zum Meisterkonzert_2

Allgäuer Zeitung, 9. Oktober 2012

Prächtig und beseelt
Von Rainer Schmid

Die Württembergische Philharmonie Reutlingen mit dem schwedischen Dirigenten Ola Rudner setzt beim a-Moll-Konzert für Violine, Violoncello und Orchester von Brahms mit energischem Tutti-Thema ein. Schon nach wenigen Takten übernimmt das Solo-Cello: Valentin Radutiu, in München geborener junger Rumäne, brilliert mit schwärmerisch beseelten Passagen. Im folgenden Dialog bringt die Violine das zweite Thema: Der junge Russe Sergey Malov hat es nicht leicht, seinen naturgemäß kleineren Geigenton gegen das Cello durchzusetzen.
Doch beide Solisten sind echte „Stars von morgen“, schon vielfach preisgekrönt. Sergey Malov übrigens gab auf
ebendieser Kemptener Bühne vor 15 Jahren sein Konzert-Debüt im Rahmen der Talente-Kurse der Marktoberdorfer Musikakademie. Das sagte er vor der Zugabe der beiden Solisten – der ersten zweistimmigen Invention von Johann Sebastian Bach. Die Zugabe des Orchesters – nach der sauber und mit prächtiger Klang-Entfaltung gespielten
d-Moll-Sinfonie von Dvorˇák – ist ein hübscher Ungarischer Tanz von Johannes Brahms.


Rückblick auf die 2. Kemptener Schultheatertage

Kreisbote, 29. Mai 2012

Lust auf "Immer mehr..."
von Christine Tröger

Fünf Tage lang leuchtende Augen: Auf der Bühne vor Lampenfieber und Konzentration; im Zuschauerraum die von mitfiebernden und hellauf begeisterten Schulkameraden und Angehörigen der Jungdarsteller. Auch bei den zweiten Schultheatertagen, eine Kooperation von TIK und Amt für Jugendarbeit der Stadt Kempten, brillierten Schülerinnen und Schüler der insgesamt 14 teilnehmenden Kemptener und Allgäuer Grundschulen bis Gymnasien und Gruppen vergangene Woche unter dem Motto „Immer mehr...“ auf den Bühnen des TIK.


Vielversprechend weckten schon die beiden Aufführungen zum Auftakt Neugierde auf das, was folgen sollte – stellvertretend für die vielen hochengagierten Nachwuchstalente können leider nur einige herausgegriffen werden. Schauspiel, Tanz und Gesang präsentierte die Agnes-Wyssach-Schule in einer spannenden Szenen-Collage zum Start der Schultheatertage und stellte darin die Frage „Was geht?“. Von Liebe und Sex, von Mode- und Schönheitsdiktat, Gruppenzwang, Meinungsmache, Zeitdiktat oder auch dem Dasein als Außenseiter, brachten sie in dem selbst erarbeiteten Stück auf die Bühne, was ihre Lebenswelten prägt. „Chapeau“ für die ausdrucksstarke Leistung der Nachwuchskünstler, in bühnenreife Form gebracht von Beate Schmid, Hilde Stadelmann, Daniela Stricker und Thomas Jorzig.


Unter „Immer mehr...Wahnsinn!“ erlebten die Zuschauer nach der Pause durch und durch absurdes Theater mit dem Klassiker „Die Nashörner“, von Eugène Ionesco. Ein schwieriges Stück, das sich die Theatergruppe der 11. Jahrgangsstufe des Carl-von-Linde-Gymnasiums unter Leitung von Dirk Brunschweiger vorgenommen hatte – und souverän meisterte. Nach und nach mutieren die Bewohner einer Stadt zu unsensiblen Nashörnern und finden es prima – bis auf einen. Was und wer ist normal? Temporeich und spannend bis zum Ende.


Mit einer absolut charmanten Aufführung wurden Zuschauer belohnt, die das TIK am Mittwochvormittag besuchten: In dem tierischen Mini-Musical in Reimen, „Das Schneckenhaus“, zeigten die Schülerinnen und Schüler der Volksschule Haldenwang, wie man zu „Immer mehr...Zufriedenheit!“ gelangen kann. Unglücklich darüber, ihr Haus mit sich herumschleppen zu müssen, befragt die Schnecke andere Tiere nach deren Behausungen. Dass so ein tragbares Schutz-Haus aber auch Vorteile hat, merkt sie unter anderem als ein Vogel sie verspeisen möchte. Das Lampenfieber in den Augen, agierten, sangen, tanzten und musizierten die kleinen Bühnentalente – unter Leitung von auch Schirmherrin Heidi Netzer, Marietta Blind und der Theaterpädagogin Gabi Scheidl – als Blumen, Mäuse, Hasen, als Vögel oder still und beobachtend als Bäume was das Zeug hielt – fabelhaft. Die halbstündige Darbietung war auf alle Fälle zu kurz, um die fantasievollen, liebevoll-kreativen Kostüme erfassen zu können, die sowohl der Vegetation als auch deren Bewohnern Glanz spendeten.


Ganz anders „Die Sache mit der Socke“, ein Theater mit Masken und, statt Worten, mit untermalender Live-Musik der Sekundaria-Theatergruppe der Montessori Schule Kempten. Die Socke als Symbol dafür, wie ein ursprünglicher von einer Minderheit favorisierter „Stein des Anstoßes“, zum Kultobjekt avanciert, das jeder haben will und muss. Unter der Leitung von Axel Krüger hatten die Darsteller das Stück selbst entwickelt und eine feinsinnige Geschichte in Bildern geschaffen.

Mit „Fawlty Towers“ brachte die „Hilde Drama Group“ des Kemptener Hildegardis-Gymnasiums (Leitung Georg Tannheimer) diesmal einen skurrilen Theaterspaß rund um Menschen im Hotel, voller deftig-schwarzen, britischen Humors auf die Bühne. Unter den durchweg imponierenden „ac-tors“ heimste „Kellner Manuel aus Barcelona“ den verdientermaßen dicksten Applaus ein.
„Immer mehr...Zusammenrücken“ stand über dem Stück „Der Revisor“, frei nach Nicolai Gogol, das vom Astrid-Lindgren-Haus und dem Allgäu-Gymnasium aufgeführt wurde. Jürgen Böhm, Udo Guggenberger und Thomas Kiemle lassen darin Menschen mit und ohne Behinderung „zusammenrücken“ und dabei eine heitere Inszenierung entstehen, in der einmal mehr deutlich wurde, dass man Gerüchte lieber hinterfragen sollte.


Gut kam auch das begleitende Mitmach-Kunstprojekt an, in dem Jeder eine Papierblume falten und im wachsend fröhlich-bunten „Theatergarten“ im Foyer „pflanzen“ konnte.


Premierenbericht zu "Waisen" (Koproduktion des THEATERINKEMPTEN mit der Theaterschule Bruneck):

Allgäuer Zeitung, 24. April 2012

Spirale des Schreckens

Premiere Dennis Kellys Thriller „Waisen“ ist ein packendes, tiefschürfendes Sozialdrama
Von Jana Schindler


Es war die buchstäbliche Stille nach dem Schuss, die sich über das Premierenpublikum legte, bevorsich verzögert der Applaus entlud.
Und selbst dieser letzte Schuss schreckte die Zuschauer noch einmal so hoch wie der erste. Wir dürfen uns an Gewalt nicht gewöhnen, scheint Regisseur Oliver Karbus mit seiner vor Spannung flirrenden Inszenierung von Dennis Kellys Thriller „Waisen“ sagen zu wollen.
Drei Absolventen der Europäischen Theaterschule Bruneck haben (in Koproduktion mit dem Theater in Kempten) ein atmosphärisch dichtes, schmerzhaftes und spannungsgeladenes Kammerspiel im TheaterOben geboten.


Als die Drei auf die Bühne treten, ist das Unfassbare schon geschehen: Ein unschuldiger Mann wurde aufs Brutalste gefoltert. Und der Täter steht jetzt blutverschmiert in der Tür. Dass diese Grausamkeit geschehen ist und dass Liam der Täter ist, wissen die Zuschauer noch nicht.
Der britische Autor Kelly spielt in seinem Thriller aus dem Jahr 2009, der so tiefschürfend wie ein sozialkritisches Gesellschaftsdrama daherkommt, absolut geschickt mit der Wahrnehmung der Zuschauer. Angeschnittene, unvollständige Sätze voller Andeutungen treiben die Spannung voran. Immer, wenn man glaubt, jetzt ist das Ende des Schreckens erreicht, bohrt sich die Spirale tiefer in den wahnwitzigen Gewaltexzess, der das fragile System Familie aus den Angeln hebt.
Liam (Martin Radecke) und Helen (Maria Kankelfitz) sind Geschwister und in einem Waisenhaus aufgewachsen. Helen schafft es, ein mittelständigsicheres Leben mit Ehemann Danny (Bálint Walter) und Sohn zu führen. Liam dagegen leistet sich immer wieder kleinere Delikte. Und Helen, die sich schuldig fühlt, wird ihren Bruder decken, auch wenn sie damit Recht und Gesetz verletzt. Liam wird einmal sagen: „Ihr müsst hier wegziehen, hier draußen sind nur Tiere.“ Doch das Tier ist er selbst. Und er zieht sie in seinem Lügengewirr alle mit hinein. „Hör auf, nur an dich zu denken, und hilf“, schnauzt Helen Danny an, was absurd ist, weil Danny der einzige ist, der an das Opfer denkt.

„Die Leute in meinen Geschichten tun einander weh,
obwohl sie einander nicht wehtun wollen.“
Autor Dennis Kelly

„Waisen“ ist ein Stück über unheilvolle Loyalitäten, über die Furcht vor dem Fremden und nicht zuletzt über eine Gesellschaft, die sich aus Angst vor sozialem Absturz immer mehr an vermeintliche Sicherheiten klammert. Wie Radecke als Liam ständig seine Arme schubbert, mit schräg gelegtem Kopf auf den Boden und an seinem Gegenüber haarscharf vorbei blickt und diesen verzweifelt-komischen, unerträglichen Satz „Ich liebe euch“ inflationär oft gebraucht, das ist eine grandiose Körpersozialstudie eines tiefverstörten jungen Mannes.
Helen wird ihren Mann Danny emotional so erpressen, dass er, der sich moralisch stark wähnt, selbst zum Folterer wird. Am Ende ist sich Danny selbst so fremd, dass er seine Hände wie ein ekelerregendes Geschwür betrachtet. Jetzt will er das Kind, das seine Frau erwartet, nicht mehr. „Mach es weg“, ist der letzte Satz, den er zu ihr sagt.
Kelly und Karbus gönnen ihrem Publikum nach dieser quälend langsamen, apokalyptischen Entladung nicht mal zum Schluss eine Utopie menschlicher Versöhnung.


Weitere Vorstellungen am 11. Mai
(20 Uhr) und am 12. Mai (19 Uhr).
Einführungen jeweils 45 Minuten vorher.
Karten gibt es im AZ-Service-Center.


Allgäuer Zeitung, 30. März
Abgesang auf den Mythos Familie
Von Jana Schindler

Tränen stehen ihr in den Augen beim Schlussapplaus. Schauspielerin Jutta Richter-Haaser ist ergriffen von den Bravos, die ihr zufliegen, in einer fremden Stadt, in der sie keiner kennt und doch ihre Größe erkannt wird. Die Aufführungen sind gezählt, in denen sie vor dem Ruhestand noch auf der Bühne stehen wird. Noch einmal durfte sie eine große Rolle ausfüllen: Bis ins Monströse in ihrer Bösartigkeit und ganz zerbrechlich in ihrem süchtigkranken Elend spielt sie die krebskranke und tablettensüchtige Violet in Tracy Letts Tragikkomödie „Eine Familie“. Das Publikum im nur gut gefüllten Stadttheater war begeistert von der großartigen Ensembleleistung des Staatstheaters Nürnberg.
In den fast dreieinhalb Stunden erlebte das Kemptener Publikum einen Abgesang auf den Mythos Familie und ein Gleichnis amerikanischer Selbstbeschreibung durch die Brille eines Zynikers und Satirikers.
Am Anfang tragen alle ihre Müllsäcke auf die Bühne und leeren sie aus, der ganze seelische Abfall einer mittelständigen
Familie. Der Vater, das Familienoberhaupt, verschwindet, und Violet zitiert die ganze Familie ins Elternhaus. Sie hatten nichts
miteinander zu schaffen in den letzten Jahren, doch jetzt werden sie sich die Seelen wundscheuern.

Das Versprechen von Marlboro
Auf der Bühne liegt das Knochengerüst eines Bullen – das, was übrigbleibt,wenn die Aasgeier fertig sind. Das Gerüst dieser Familie, die es in der Prärie zu einem gewissen Wohlstand gebracht hat, wird im Laufe des Abends zusammenbrechen
und alles unter sich begraben, was einmal Wert und Bestand hatte. Über allem prangt der Marlboro-Werbe-Schriftzug „Come to where the flavour is“. Ein Symbol gewordenes Heilsversprechen amerikanischer Kultur, das gewaltig demontiert wird. Nicht nur wegen der permanenten Anwesenheit der als Hausmädchen eingestellten „Indianerin“, die beständig an den „Genozid“ erinnert, sondern auch durch die gegenseitige Zerfleischung. Da ist Bill, der seine „männliche Menopause“ mit Studentinnen kuriert. Seine Frau Barbara, die sich wehrt, aufs Abstellgleis verfrachtet zu werden. „Scheiß auf die Liebe, was für eine gequirlte Kacke“, ruft sie deshalb aus, als sie erfährt, dass ihre Schwester den Cousin liebt. Doch dann stellt sich heraus, dass der Cousin der eigene Bruder ist.
Das ist bitterbös-abgründig und trotzdem komisch. Das kann ja praktisch sein, wenn mal jemand ne Niere braucht, wie Violet trocken kommentiert. Es ist klebrig heiß im August in diesem Haus. Doch das Schwitzbad, dem alle Beteiligten ausgesetzt sind, ist nicht reinigend. Kein Trost, nirgends.
Am Ende bleibt Violet, hysterisch und in Todesangst, allein zurück. Die „Indianerin“ ist bei ihr. Ruhig und gelassen wie aus einer anderen Welt.



Allgäuer Zeitung, 7. März 2012
"Fantastisch"
Von Jana Schindler

Es war fantastisch – dieses „Ensel und Krete“ im Stadttheater! Im zweifachen Sinn des Wortes. Eine wunderbare Vorstellung für Achtjährige, die sich vor überdimensionalen Laubwölfen gruseln konnten, bis zu Siebzigjährigen, die sich an dem Spiel mit allerlei Märchenversatzstücken ergötzen durften. Und es war eine traumhaft-surreale Märchenadaption in dem Fantasiereich Zamonien. Dieser Kontinent entspringt dem kreativen Geist Walter Moers’, dem geistigen Vater von Käpt’n Blaubär oder dem Kleinen Arschloch:
Regisseur Michael Miensopust hat aus Moers wortspielendem Roman „Ensel und Krete“ eine Bühnenfassung entwickelt und eine wunderbare Mischung aus Puppenspiel und Schauspieltheater erarbeitet. Und so bereicherte das Landestheater Tübingen mit diesem Familienstück wieder einmal die Kinderkultur in Kempten.

Es ist eine Geschichte vom Erwachsenwerden. Und da das ja bekanntlich nie aufhört, war es für jedes Alter ein Vergnügen. Mit dem Grimmschen Geschwisterpaar haben Ensel (Sebastian Schmid) und seine Schwester Krete (Magdalena Flade) allerdings nicht mehr viel gemeinsam. Zwar verlaufen sie sich noch im Wald, aber hier müssen sie einen Laubwolf erledigen und sich allerlei bizarrer Gestalten und Pflanzen erwehren. Sie sind in der Inszenierung eine Art Comicfiguren mit überdimensionierten Brillen und vorwitzigen Nasen.
Im Gruselwald verlaufen
Die Bühne ist eine Tiefe suggerierender Ort mit vielen Gängen – und der Gruselwald ein Tummelplatz allerlei bizarrer Gestalten. Da konnte sich Ausstatter Daniel Reim so richtig austoben. Der Laubwolf (Vanessa Valk, auch als viele weitere Figuren) steckt in einem riesigen Papierkostüm, die Geheimförster tragen Hüte mit meterhohen Grasbüscheln und Hundeschnauzen, die Sternenstauner sind Haarmonster mit tausend sonnenbebrillten Augen. Ein Stollentroll, eine Mischung aus Vampir und Kobold, führt die beiden Kinder immer wieder in die Irre. Und die Handlung immer wieder unterbrechend tritt Hildegunst von Mythenmetz (Rupert Hausner) auf – ein barocker Dinosaurier, der mit irrwitzigen Sprachausschweifungen seinem Publikum ein Happy End gegen die zamonische Märchentradition zubilligt.

Das ist so aberwitzig, absurd, komisch, sinnlich, poetisch, hintersinnig und originell, dass es eigentlich ganz egal ist, wie die Geschichte ausgeht und ob Ensel und Krete aus dem Gruselwald herausfinden, gemäß dem Motto: „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann irren sie noch immer durch den Wald.“ Fantastisch, fantastisch!


Bericht zur Premiere "Totentanz" (Eigenproduktion) im THEATERINKEMPTEN

Kreisbote vom 15.02.2012
Kempten / Christine Tröger

Höllenkomik und Todhass

Zögernd steigert sich der Schlussapplaus, als müsse das Publikum erst wieder ankommen im Hier und Jetzt, erst realisieren, dass der eben noch irritierende „Totentanz“, in dem der schwedische Autor August Strindberg sein wohl kompliziertes Verhältnis zu Frauen verarbeitet hat, ausgetanzt ist. Dann aber kommt der Beifall in Schwung, für die ins Mark treffende Inszenierung von Oliver Karbus und das äußerst bemerkenswerte Dreiergespann auf der Bühne.

Kurz gesagt, für einen „Totentanz“, dessen Intensität sich im TheaterInKempten (TIK) wohl kaum ein Zuschauer entziehen konnte. Was Harro Korn (Edgar), Patricia Litten (Alice) und Richard Aigner (Kurt) an Dichte und Glaubwürdigkeit ihrer Rollen in der zweiten Eigenproduktion des TIK dieser Spielzeit zeigten, kann man getrost „großes Theater“ nennen.
Geschrieben hat Strindberg das Beziehungsdrama anno 1900. Die menschlichen Abgründe darin haben an Aktualität auch nach über 100 Jahren nichts verloren: Alice, einst Schauspielerin, und der durch und durch Hauptmann Edgar sind seit 25 Jahren verheiratet. Sie leben zurückgezogen, mit nur wenigen – meist per Telegraphen geführten – Kontakten zur Außenwelt, auf einer abgelegenen Insel. Als der gemeinsame Jugendfreund Kurt ihnen nach 15 Jahren einen Besuch abstattet, wird er zum Spielball der von Hassliebe durchtränkten Intrigen der Eheleute. Immer tiefer verfängt er sich in dem unerbittlichen Netz aus Machtspielen, „Höllenkomik und Todhass“, das Alice und Edgar aneinander kettet, sich selbst und gegenseitig zerstörend. „Hier ist so viel Hass, dass man kaum Luft bekommt“, entsetzt sich Kurt schon kurz nachdem er das häusliche „Ehegefängnis“ betreten hat.

Beklemmend spürbar
Verbale und körperliche Erstarrung, die das Unerträgliche dieser Ehe bereits in den ersten Minuten für die Zuschauer beklemmend spürbar macht, sind nur harmlose Vorboten dessen, was sich in Folge mit Gift und Galle, Demütigungen, Verletzungen, Lügen und hasserfüllten Racheplänen Bahn bricht. Und doch schwebt, in wenigen Momenten offen und deutlich, meist nur als subtil wahrnehmbare Schwingung auch etwas anderes über den Kriegführenden: Die grundsätzliche Liebe füreinander, deren zerstörerische Seite sich zum unbremsbaren, zermürbenden Selbstläufer entwickelt zu haben scheint. „Merkst Du nicht, dass wir Tag für Tag dasselbe sagen?“, erkennt Edgar zu Beginn eines der zahlreichen Wortgefechte die sich immer wiederholende Spirale. Auch an – wenngleich dunkelschwarzen – komischen Szenen mangelt es nicht. Allein das Lachen mag eher im Halse stecken bleiben und der Fassungslosigkeit der stillen Beobachter Vorrang geben. Zumindest Partei ergreifen muss man nicht. Dass sich beide in nichts nach stehen wird schnell offensichtlich – auch für Kurt, der beiden helfend zur Seite stehen möchte. Für einen kurzen Moment wird der nach gescheiterter Ehe einsame Jugendfreund dann doch schwach, erliegt Alices Verführungskünsten, erniedrigt sich vor ihr – und erkennt im letzten Moment, dass er Teil des grausamen Spiels geworden ist.
Vermeintliche Befreiung
Der bereits länger todgeweihte Edgar stirbt an seinem „Steinherz“, wie er die vom Arzt diagnostizierte Verkalkung treffend selbst bezeichnet. So sehr und anhaltend sich Alice seinen Tod und die damit für sie vermeintliche Befreiung auch immer gewünscht hat: es ist der Moment, in dem sie erkennt, was sie verloren hat. „Ich habe ihn gehasst – und geliebt“, bekennt sie.


Berichte zur Premiere "Sein oder Nichtsein" im THEATERINKEMPTEN
auf
B2 Kulturleben (bei Minute 22:30) und TV Allgäu (einfach auf den Link klicken).


Allgäuer Zeitung, 24.11.2011
Wie aus einer anderen Welt
Spitzengeigerin Midori und der exquisite Pianist Özgür Aydin verzaubern im ausverkauften Kemptener Stadttheater
Mozart, Brahms, Janácek und Schubert

Ein erlesenes und musikalisch überragendes Kammerkonzert war im ausverkauften Theater in Kempten im Rahmen der Reihe "Meisterkonzerte" zu erleben. Zu hören waren Werke für Violine und Klavier mit der in Japan geborenen Spitzengeigerin Midori und dem hervorragenden Pianisten Özgür Aydin.
Am Beginn stand die Sonate KV 526 von Mozart, die besonders im dritten Satz noch stark dem Klavier verpflichtet ist. Das Presto wurde denn auch von Aydin vorwärts stürmend eingeleitet. Es folgten Passagen mit brillant und äußerst exakt ausgeführten Läufen bei (werkgerecht) sparsamem Einsatz des Pedals. Die beiden ersten Sätze „gehörten“ jedoch der Violinistin. Ungewöhnlich zart, fast verträumt, gestaltete sie den Violinpart.
Manche Pianostellen gingen nahezu ins pianissimo über oder wirkten fast „gehaucht“. Das Ergebnis war eine ungewöhnliche Mozart-Interpretation, die von den üblichen Pfaden deutlich abwich.
Das Publikum bekam einen ersten Eindruck vom sensiblen Spiel der Geigerin und vom Klang des wertvollen Instrumentes von Giuseppe Guarneri del Gesu aus dem Jahr 1734.
Die Violinsonate Opus 78 von Johannes Brahms gab beiden Künstlern Gelegenheit, sich bestens zu präsentieren. Gleich zu Beginn des ersten Satzes war Midori nun mit mehr Verve als bei Mozart zu erleben. Wieder spielte sie enorm konzentriert, besonders bei der Ausgestaltung langer Spannungsbögen und der Dynamik. Aydin trug dabei das Seine zum Gelingen bei.
Die kurze Klaviereinleitung zu Beginn des zweiten Satzes gelang ihm ausgezeichnet und fand ihre stimmige Fortsetzung im ausdrucksstarken Spiel von Midori. Hier trugen zwei Solisten in harmonischem Zusammenwirken zum Gelingen des Ganzen bei. Das war nicht „Brahms von der Stange“, sondern eine Interpretation, die aufhorchen ließ.

Rein und leicht in Extremlagen
Der Höhepunkt des Konzerts war die Sonate für Violine und Klavier von Leos Janácek. Bewegt (con moto), geradezu impulsiv, begann Midori und pflegte in allen Sätzen eine enorme Dynamik, die gelegentlich Töne geradezu „verlöschen“ ließ aber auch schroffe motivische Einwürfe hervorbrachte. Ihr Spiel war stets von enormer Reinheit und Leichtigkeit, selbst in Extremlagen.

Tosender Applaus
Zum Abschluss erklang Franz Schuberts Fantasie für Violine und Klavier – ein kleines Violinkonzert. Die Harmonie zwischen den Interpreten kam auch hier wieder voll zur Geltung, insbesondere im Schlusssatz (Allegro vivace). Das war wie Musik aus einer anderen Welt.
Das Publikum dieses Meisterkonzertes erlebte in Midori eine veritable (Groß-)Meisterin und bedankte sich mit tosendem Applaus. Dieser wurde wiederum mit zwei Zugaben belohnt.
P. S.: Midori hat versprochen wiederzukommen.


Stadtmagazin 0831, Ausgabe November
Drei sind keiner zuviel
Von Christian Hof

Die Auftaktveranstaltung „Two’ a couple, three’s a crowd“ des 11. Kemptener Tanzherbst am 14. Oktober offenbart sich als grandiose Innenschau, in der das Beziehungsleben in Tanzvokabeln übersetzt wird.
Eigentlich hat man als Theatergänger beim Gedanken an das aktuelle Spielzeitmotto "Beziehungskiste" des THEATERINKEMPTEN zunächst lautstarke Komödien und Dramen im Sinn, die sich rund um alle Facetten des Beziehungsdaseins drehen. Nikola Stadelmann bietet allerdings mit der Auswahl der Tanztheater-Premiere „Two’ a couple, three’s a crowd“ als Auftakt der Spielzeit 2011/12 eine wortlos-weise Alternative zum klasischen Bühnendialog. denn im ausdrucksstarken Gesten- und Bewegungsreichtum der drei tanzenden Protagonisten offenbaren sich abseits aller Sprachbarrieren die Tiefen unserer menschlichen Sehnsucht nach Nähe und Geborgenheit, aber auch nach Fremde und Distanz.

In seiner inzwischen fünften Produktion für das Kemptener Theater lotet Ideengeber, Choreograf und Tänzer Jochen Heckman im THEaterOben das immer wieder im Leben auftretende Wechselspiel zwischen Mann und Frau aus. In drei Teile gegliedert, übersetzt er gemeinsam mit Patricia Rotondaro zunächst inmitten der von Bühnenbildnerin Angela Loewen unzähligen roten, über den Tanzboten verteilten Kissen den gängigen Beziehungsalltag in bewegende Tanzfiguren. Auf- und Abklingen von gegenseitigem Begehren wird mit Selbstzweifeln konfrontiert, die Heckmann in raffiniert-verstörende Tanzinterruptionen von Beginn an in das Beziehungsthema einstreut. Eine geschwungene rote Linie fasst dabei den Tanzboden wie eine Sicherheitszone ein, deren Überschreitungen immer wieder spielerisch ausgereizt wird. Mit dem Eindringen einer neuen Frau in die Tanzsymbiose (Gemma Miró Roca) bricht diese Linie aber im zweiten Teil plötzlich auf. Die von Anfang an majestätisch im Raum stehende Pappkiste wird zum begehrten Rückzugsraum, die Kissenfläche wandelt sich zu einem Raum von Inseln, die zum Halt auf der Tanzfläche werden. Im Kampf um das richtige Zwei von Drei kämpfen plötzlich alle in choreografischen Höchstleistungen um die richtigen Konstellation, bei der aber immer mindestens einer verlieren muss. So löst sich im dritten Teil der Darbietung das Dreigestrin am Ende in drei Einsamkeiten, deren beklemmend-ausdrucksstarke Intimität hautnah erlebt werden kann.
Dass in Beziehungen immer der Blickwinkel eine große Bedeutung hat, veranschaulicht in dieser gelungenen Produktion die Anweisung an das Publikum, jeden der drei Teile des Stückes aus einer anderen Blickrichtung zu erleben. Die Sitze waren hierfür extra nicht frontal, sondern in drei Sitzblöcken um den Tanzboden herum aufgebaut worden.

Allgäuer Zeitung, 17.10.2011

Höchstes Glück, tiefster Schmerz
Jochen Heckmanns gefühlvolle Choreografie über einen Mann zwischen zwei Frauen rührt die Zuschauer an
Von Jana Schindler

Was in der letzten Spielzeit des Theaters in Kempten die grüne Spielwiese war, auf der sich alles vergnügte und verletzte, so ist es in dieser Spielzeit die (Beziehungs-)Kiste, die sich öffnet und schließt, freigibt und verschlingt. Man begegnete ihr schon bei der Saisoneröffnung und dem damit zusammenfallenden Start des Kemptener Tanzherbsts.
Jochen Heckmanns gefühlvolle Choreografie über einen Mann zwischen zwei Frauen rührt die Zuschauer an In dem Dreipersonenstück „Two’ a couple, three’s a crowd“ (frei übersetzt: „Drei ist einer zuviel“) von Jochen Heckmann sitzt das Premierenpublikum mittendrin in dieser schwarzen Theater-Oben-Kiste und schaut von drei Seiten auf die mit blutroten Kissen übersäte, schwarze Tanzfläche, wo der Geschlechterkampf stattfinden wird. Ein Blick, der sich während des Abend dreimal verändert, wechseln die Zuschauer doch zweimal die Plätze, um den drei ausdrucksstarken Tänzern bei ihrer Ménage à trois zuzusehen.

Es ist Jochen Heckmanns fünfte Produktion für das Kemptener Theater, die dritte auf der kleinen Bühne. War „Empfänger verzogen“ das intellektuellste, „Match Point“ das witzigste Stück, dann ist das neueste Werk des Choreografen wohl das emotional anrührendste.

Da ist sie also, die Kiste: ein großer Würfel mit schwarzem Loch. Als von der Decke hängendes Kistengewucher. Das große nicht (Be-)Greifbare. Das Beziehungsgeflecht. Darunter ein knallroter Kissenhaufen (Bühne und Ausstattung: Angela Loewen). Drei Menschen, drei Perspektiven, rot die Verlockung und schwarz die unheilvollen Löcher. Bei so viel Zahlenmystik und plakativem Bühneneifer wird einem etwas bange.

Doch äußerst differenziert dann der Tanz selbst. Musikalisch untermalt von einer Klangcollage aus Max Reger sowie dem Kronos Quartet in klassischer Instrumentierung und Alltagsgeräuschen. Regen, Vogelgezwitscher am Anfang. Größtmögliche Vertrautheit eines Paares. Eine Frau (Patricia Rotondaro) und ein Mann (Jochen Heckmann) gehen beinahe symbiotisch durch ihre Kissen-Burg.

Er trägt sie auf seinen Füßen. Sie beugt sich tief nach hinten. Er hält sie an den Händen und legt seinen Kopf auf ihren Bauch. Innigkeit und Ausgelassenheit. Pause. Perspektivwechsel. Das Unbekannte, Verlockende in Gestalt der Neuen (Gemma Miró Roca) bricht herein. Die Frauen verbünden sich. Der sich animalisch windende Mann wird vom schwarzen Loch der Kiste verschluckt. Pause. Perspektivwechsel. Der Mann und die Andere, sich umarmend. Die Frau packt rote Kissen in kleine graue Kisten. Am Ende ist der Mann allein. Schmerz und Einsamkeit.

Heckmanns den Kemptenern mittlerweile vertraute Tanzsprache – seine sehr gestische Choreografie, seine fesselnden Bilder, sein fast kindliches Sprechen mit den Händen und Fingern – zeugt gerade in dieser Produktion von der Suche nach großer Wahrhaftigkeit in den tänzerischen Ausdrucksmöglichkeiten. Raum, Körper, Musik verschmelzen zu einem aufrichtigen, berührenden und intensiven Abend mit viel Applaus für drei beachtliche Tänzer im ausverkauften Theater-Oben.

Weitere Vorstellungen im Theater in Kempten am 18. November (20 Uhr) und 19. November (19 Uhr). Jeweils eine dreiviertel Stunde vorher gibt es eine Einführung.


Kreisbote Kempten, 19.10.2011
Meisterlich und ausdrucksstark

Von CHRISTINE TRÖGER

Kempten – Kurz gesagt, rundum stark war der Auftakt zur neuen Spielzeit im Theater in Kempten (TIK) und zugleich Startschuss für den 11. Kemptener Tanzherbst. Glänzte die Eigenproduktion „Match Point“ des Choreographen und Tänzers Jochen Heckmann im vergangenen Jahr nicht zuletzt durch viele witzige Momente, hat er für diese Saison mit „Two’s a couple, three’s a crowd“ – frei übersetzt „Drei sind einer zuviel“ – ein Tanztheater kreiert, das von der ersten bis zur letzten Sekunde vor Spannung und Intensität nur so strotzt.
Mehr noch als bereits die Vorjahresproduktion profitiert das heuer bereits fünfte Auftragswerk Heckmanns für das TIK, von der intimen räumlichen Nähe zwischen Publikum und Tänzern im TheaterOben. Dem Spielzeitmotto „Beziehungskiste“ Rechnung tragend, entwickeln die Protagonisten – zwei Frauen, ein Mann – in drei „Experimenten“, ob, wer mit wem und vor allem wie die jeweilig Beziehungskonstellation funktionieren kann. Werden die Karten neu gemischt, wenn ein Dritter in die schließlich gefundene Zweierharmonie eindringt? Oder funktioniert sie auch als „Ménage à trois“? Liebe und Leid, Hingabe, Leidenschaft, Eifersucht, Gewinner und Verlierer, Eins plus Eins, Zwei plus Eins – schlussendlich Eins, Eins, Eins. Jochen Heckmann, Patricia Rotondaro und Gemma Miró Roca führten ihr Publikum im TIK mit nuancierter und doch eindringlicher Wucht durch Gefühlshöhen und -tiefen. Drei unterschiedliche Beziehungskonstellationen. Drei Versuche das verträgliche Maß von Nähe und Distanz zu finden. Drei Variationen im Umgang mit dem „Störenfried“. Dreimal forderten die Choreographien tänzerische Höchstleistungen, die meisterlich und ausdrucksstark erfüllt wurden.
Drei unterschiedliche Blickwinkel konnte das Publikum auch perspektivisch erleben. Nach den kurzen Pausen zwischen den Episoden nahm es im Rotationsverfahren den jeweiligen Platz im nächsten der insgesamt drei Sitzblöcke ein. Ein Meer von roten Kissen setzen variable Akzente auf der schlichten, schwarz gehaltenen Bühne, die ansonsten mit nur drei sich ähnelnden „Beziehungskisten“ auskam.
Zunächst unbeschwerte Zweisamkeit, in die sich schleichend eine dritte Person drängelt, im ersten Experiment. Intimität, Abgrenzung, verzweifelte Rettungsversuche, Ablehnung bis zur handgreiflichen Aggression – der „Störenfried“ konzentriert die roten Kissen bei sich.
Am Ende allein
Die beiden Frauen sind allein auf der Bühne als das Licht ausgeht. Die ausgelassene Vertrautheit der beiden Frauen in Experiment zwei schmeckt dem Mann nicht. Verborgen unter verstreuten Kissenbergen umschleicht er sie beobachtend. Die beiden flüchten, als er zornig auf eine geöffnete Beziehungskiste zurobbt, zu stakkatohafter Musik mit archaischen Gesängen ein sich zu ekstatischen Bewegungen steigerndes Solo tanzt und in der Kiste verschwindet. Die ausgelassen zurückgekehrten Mädchen werden wie von Zauberhand abrupt gestoppt – die eine zitternd vor einer über ihr – in den Sternen? – hängenden Beziehungskiste stehend, die andere zögernd an der Tür des Störenfrieds. Wer wird das Wechselspiel aus Annäherungen und Zurückweisungen im dritten Experiment wohl seinen Interessen gemäß entscheiden? Rotondaro packt rote Kissen in kleine Beziehungskisten, die sie schließlich unter einer großen „begräbt“. Am Ende bleibt jeder mit sich selbst allein.

>> TV Allgäu vom 14.10.2011
Körper und Melodie: THEATERINKEMPTEN eröffnet mit einem Beziehungsdrama
http://www.youtube.com

Spielzeit 2010/11


>> Allgäuer Zeitung vom 25.05.2011
Kempten (Jana Schindler)

Kindertheater in Kempten endet mit einem Wunderwerk
Ann-Kathrin Klatt entführt nach China

Ein Gong hängt wie ein glänzender Mond über der Tigerhöhle. Mit weiß geschminktem Gesicht und rot umrandeten Augen, einem schwarzen Hut und kimonoähnlichem, pink-rotem Mantel entführt Anne-Kathrin Klatt die Kinder im Theater-Oben in Kempten tänzelnd und in höchsten Tönen singend in die fremde faszinierende Welt der Peking-Oper und der chinesischen Mythen.

Sie erzählt die Geschichte des kleinen Prinzen Wen, den seine Eltern in den Dschungel zur Tigerin bringen müssen, um Frieden für ihr Volk zu bekommen. «Es wurde Frieden, und mit dem neuen König Wen regierte die Klugheit des Königspaares, die Stärke der Tigerin und die Weisheit der Steine.» Was die Zeichnungen in dem preisgekrönten Bilderbuch von Chen Jianghong, nach dem die Figurenspielerin ihr Erzähltheater gestaltet hat, erzählen und was zwischen den Zeilen steht, kommt in dieser hinreißenden Inszenierung zur vervollkommnenden Verkörperung. Regie führte wieder einmal Michael Miensopust.

Klatt vermag ein einzigartiges, kleines, höchst stilisiertes Kunstwerk aus Erzählung, Musik, Tanz, Schatten- und Figurenspiel zu schaffen. Zum Abschluss dieser Spielzeit zeigte das Landestheater Tübingen erneut, wie wenig es braucht, um Kinder in den Bann zu ziehen. Ein Augenaufschlag und eine winzige Geste genügen, um zu erzählen, wie die Tigerin das Menschenkind gewinnt.

Viel Applaus und Bravos für eine großartige Darstellerin und ihr kleines Peking-Wunder-Werk.


>> Allgäuer Zeitung vom 18.05.2011

Kempten/  Jana Schindler

Fahrt zur Hölle

Theater in Kempten | Goethes „Faust“ wird in Michael Miensopusts
Ein-Mann-Version des Dramas zur geistreich-frechen Fiktion

Die letzte Eigenproduktion des Theaters in Kempten in dieser Spielzeit heißt «Faust Fiction» und ist eine Ein-Mann-Bühnenshow. Mit dem in Kempten mittlerweile bekannten Michael Miensopust in der Hauptrolle, aber auch als sein eigenen Regisseur. Als Kandidat einer möglichen Casting-Show bekommt er sein Stichwort aus dem Bühnen-Himmel zugeworfen: ein Reclam-Heftchen von Goethes Faust. Spiel, Vogel, oder stirb! Oder sing! Das Reclamheft klebt an der Hand des Protagonisten, und selbst wenn er es in den unheimlich rot und grün wabernden Papierkorb schmeißt, kommt es klettenartig an der anderen Hand wieder zum Vorschein. Die Faust-Geister, die er rief, wird er nicht mehr los.
Fahrt zur Hölle
Das Universaldrama als Erzählsolo, das «vom Himmel durch die Welt zur Hölle» verläuft, wird in Kempten auf einem «Highway to hell», wie die Rockband AC/DC röhrend kommentiert, gegeben. Und das in AC/DC-Tempo. Die Reise, die fürs erste in die kleine Welt führt, wird mit zwei feuerroten Sitzen zitiert, die neben einer Straßenlaterne stehen und eher an die unbequemen Plastikschalen alter Straßenbahnen als an ein bequemes Cabrio erinnern. Goethe hat seine Zeit durch sein Lebenswerk «Faust» gedeutet, Miensopust leuchtet mit seiner Fiktion von «Faust» unsere Zeit aus.
Fausts Verjüngung soll per Schönheitsoperation gelingen, oder es muss - wenns natürlicher sein soll - jeden Tag Yoga absolviert werden. Dass Gretchen ihr Kind umgebracht hat, erfährt Faust durch die Nachrichten. Dann ruft er in der Psychiatrie an und versucht Gretchen wieder ins Leben zurückzuholen. Bei diesem Zugriff verzichtet Miensopust auch auf die Wörtlichkeit des Textes zugunsten einer aktualisierenden Verdeutlichung («Du siehst mit diesem Trank im Leibe, bald Heidi Klum in jedem Weibe»).
Ist dieser Mann, der den literarischen Nationalhelden der Deutschen derart durch die Mangel nimmt, einfach nur frech-dreist oder geistreich-verspielt? Michael Miensopust ist beides. Er ist ein wuchtiger Stück-Zertrümmerer und ein umso sensibler Wiederaufbau-Meister.
Er nimmt den Goetheschen Text als Material und greift dann tief in die Werkzeugkiste der eigenen medialen und theatralen Erfahrungen, der neuesten Erkenntnisse von Wissenschaft und Forschung und verquirlt das alles zu einer Erzähl-Collage.
Abgenudelte Goethe-Verse werden ironisch kommentiert («Oh ne, das ist jetzt aber eine Gretchen-Frage.) Unvermeidlich, dass da des Pudels Kern zurechtgestutzt oder haarscharf an der Parodie vorbeigeschrammt wird. Dem Publikum gefiels. Großer Applaus im kleinen Saal des Stadttheaters für einen großen Spielwütigen.

>> Kreisbote Kempten |  18.05.2011

Begeisternde Ein-Mann-Show

Von CHRISTINE TRÖGER
Kempten – „Unterschreib mit einem Tropfen Blut. Winnetou und Old Shatterhand haben das auch so gemacht“, umschmeichelte Mephisto Dr. Heinrich Faust, den Vertrag zu unterzeichnen. Goethes Faust bei aller Ernsthaftigkeit des Inhalts mit unterhaltsamem Witz? Warum nicht? Im Ein-Mann-Erzähltheater „Faust Fiction – Ein virtuelles Roadmovie frei nach Goethe“ zeigte das TheaterInKempten (TIK) in seiner rundum gelungenen dritten Eigenproduktion der Spielsaison, wie das funktioniert.
Die Idee zur kurzweiligen, von hintersinnig-humorvollen Einfällen strotzenden Adaption des großen Klassikers haben Theaterdirektorin Nikola Stadelmann und der schlichtweg geniale Darsteller Michael Miensopust, der bereits mit seinen Parzival- und Macbeth-Adaptionen im TIK brillierte, gemeinsam entwickelt. Die Geschichte in Kurzform: der angesehene Lehrer Heinrich Faust zieht eine niederschmetternde Lebensbilanz und verspricht dem Teufel seine Seele, sollte es ihm gelingen ihn von seinen Selbstzweifeln zu befreien. Dieser verjüngt seinen „Vertragspartner“ und spielt ihm Gretchen in die Arme, die ihre Mutter sowie das gemeinsame uneheliche Kind tötet und dafür hingerichtet werden soll. Wie im Original so auch in der „Fiction“: „Gretchen ist gerichtet“, ertönt es aus Mephistos Mund, doch Engelsstimmen beruhigen den besorgten Faust, aus der Straßenlaterne verkündend „Gretchen ist gerettet“.
Grandioses Wechselspiel
Problemlos, im bisweilen rasanten Wechsel, schlüpfte Miensopust von der Haut des etwas heruntergekommenen Mephisto in die des sinnsuchenden Faust, fand sich im betörenden Gretchen, streifte deren Nachbarin Marthe und mimte auch noch Valentin, den Rache üben wollenden Bruder Gretchens. Klar, oft nur durch kleine, nicht weniger wirkungsvolle Bewegungen angezeigt, waren Mimiken und Gesten des energiesprühenden Schauspielers im Wechselspiel der Rollen. Spärliche Requisiten sowie das auf eine Bank und einen an einer Straßenlaterne befestigten Mülleimer inklusive Telefon reduzierte Bühnenbild, ließ der Fantasie der rundweg begeisterten Zuschauer zudem großen Spielraum.
Die Reise auf dem „Highway to Hell“ durch die Welt traten Mephisto und Faust, wie zwei alte Kumpels beim Junggesellenabschied, im Cadillac an. Auch wenn viele Szenen in der Gegenwart angesiedelt waren und Textpassagen sich frei entfalteten, blieb das Stück mit zahlreichen Originalpassagen doch durchgehend nah am ursprünglichen Goethe-Text. Dass die Hexenküche, in der Faust seinen Verjüngungs- und Liebessehnsuchtstrunk gebraut bekam, die Assoziation mit einem Drive-In-Restaurant in einer eher abgehalfterten Gegend mehr als nahe legte, dass Mephisto gelegentlich deftige Unwörter entschlüpften oder dieser die intime Begegnung von Faust und Gretchen mit Handpuppen – doppelsinnig? – eigenhändig führte: Vielleicht gesellte sich dadurch zu den in Goethes Faust aufgeworfenen Fragen nach Gut und Böse, Himmel und Hölle, Sinn des Lebens und was die Welt zusammenhält noch eine vor allem die Jetztzeit betreffende Frage: Wie steht es um Abgestumpftheit oder Respekt?
„Vielleicht mache ich Dich zum Verteidigungsminister“, brabbelte Mephisto am Ende des Stücks, bereits Pläne für einen zweiten Teil „Faust Fiction“ schmiedend, und verließ das Kemptener TheaterOben ganz und gar zeitgemäß auf einem Segway.

>> Allgäuer Zeitung | 10.05.2011
Kempten/  Jana Schindler
Goethes «Faust» als Roadmovie

Schauspieler Michael Miensopust setzt den Klassiker ganz allein in Szene
Die dritte und letzte Eigenproduktion der aktuellen Spielzeit feiert am 13. Mai Premiere

Michael Miensopusts Blick geht unruhig schweifend durch den kleinen Theaterraum. Die Gäste des Theatercafés im Theater-Oben haben sich gerade erhoben, die Gläser werden von den Tischen geräumt. Vom Gesprächspodium wird der Tübinger direkt auf die technische Einrichtungsprobe seines Stückes «Faust Fiction» auf der Kemptener Bühne stolpern. Schaut der Tübinger mit der ausgeprägten Augenpartie nun faustisch oder mephistophelisch drein? Schwer zu sagen.
Vorgenommen hat er sich ja, beides zu sein. Faust und Mephisto. Und natürlich auch Gretchen und Wagner und die Hexen und und und. Das ganze Goethesche Faust-Universum will der Schauspieler, der gleichzeitig auch sein eigener Regisseur ist, als Erzähl-Solo auf die Kemptener Bühne bringen. «Der große Mann der großen Stoffe im kleinen Format», wie ihn Theaterdirektorin Nikola Stadelmann vorstellt, zog schon mit der Adaption von Parzival und Macbeth das Kemptener Publikum in seinen Erzähl-Bann und entwickelte sich vom Geheimtipp zum Kult-Star. Wobei er sich über das Wort «Karriere» in Bezug auf seinen eigenen künstlerischen Weg ebenso koboldhaft amüsieren kann wie über die Anekdote, dass schon sein erstes Schauspielschulerlebnis eine Begegnung mit dem Fauststoff war. Da habe ihm eine sehr alte Theaterdame auf den Kopf zugesagt: «Du bist ein Mephisto.

» Vielleicht weil sein ursprünglicher Wunsch gar nicht die Schauspielerei war, vielleicht deshalb ist der bald 50-Jährige so uneitel und menschlich so nahbar, dass er die Herzen und Zungen der Kemptener zu öffnen vermag. Das Publikum des Theatercafés jedenfalls zeigte sich wieder sehr offenherzig.

Aber wieso Faust als Fiktion? Der ursprünglich nur als Arbeitstitel fungierende Titel spielt mit den Assoziationen des Filmtitels «Pulp Fiction», wie Stadelmann als Dramaturgin erklärt. «Ich habe mir den Faust immer als einen Film vorgestellt, als ein Roadmovie mit klassischem Text», sagt Miensopust über die mit Stadelmann gemeinsam entwickelte Idee zu der dritten und letzten Eigenproduktion des TiK in dieser Spielzeit. Das ist zugegeben ein sehr freier Zugriff auf den Stoff, an dem Goethe selbst sich mehr als die Hälfte seines Lebens abarbeitete.

«Bei solch einem unverkrampften Ansatz erscheint einem Faust viel menschlicher», betont Stadelmann «Ich muss ihn selbst für mich entdecken und versuche, ganz naiv an den Text heranzugehen», erklärt Miensopust seinen Zugang zu neuen Stoffen. So kann er sein Vorhaben umsetzen, die Essenz der Geschichte mit Hilfe von Figuren- und Objekttheater zu erzählen. «Links das Müsli, rechts der Goethe», fasst Miensopust seine letzten Arbeitswochen zusammen.

Premiere ist an einem «mephistophelischen» Datum: Freitag, 13 Mai, um 20 Uhr im Theater-Oben (mit Premierenfeier). Einführung um 19.15 Uhr. Weitere Termine: 14. Mai (19 Uhr), , 20. Mai (20 Uhr), 21. Mai (19 Uhr); Einführung jeweils eine dreiviertel Stunde vorher.


>> Allgäuer Zeitung  | 23.03.2011

Richtig böse - richtig gut

Theater Nürnberger Bühne brilliert mit einer lustvollen und spritzigen Inszenierung
von Sibylle Bergs Beziehungskomödie „Nur Nachts“ – sie thematisiert das Älterwerden
VON MICHAEL DUMLER
Kempten Es ist ein Kreuz, wenn man älter wird: Das Leben wird grau, muffig, trübsinnig, übergewichtig.
Die Schreckgespenster Selbstmitleid, Krankheit, körperlicher Zerfall und Todesangst erscheinen immer häufiger. Ist das noch Leben? Oder
schon der transistorische Zustand kurz vor der Endstation Jenseits? Wie dem auch sei, jedenfalls ist es die Ausgangslage für Sibylle Bergs
bitterböse Beziehungskomödie „Nur Nachts“. Doch wer nun dachte, das Ganze würde einen gnadenlos deprimierenden Theaterabend
ergeben, der sah sich angesichts der spritzigen Inszenierung des Staatstheaters Nürnberg in Kempten schnell eines Besseren belehrt.
Was die Nürnberger im Großen Haus des Kemptener Theaters boten, war beeindruckende Theaterkunst: espritvoll, rasant, fantasievoll,
mit Tiefgang. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen Peter (herrlich kauzig-brummig Thomas Nunner) und Petra (umwerfend fragil-spitz Elke Wollmann), zwei desillusionierte, einsame Menschen Mitte 40. „Ich weiß, dass ich keine Eigenschaften habe“, lautet die traurige Bilanz von Peter,
der angewidert ist vom Leben in der Stadt, in der ihm nur Hässlichkeit und Plastik begegne und Menschen, die „aussehen wie Schweinefleisch“.
Diesen trüben Status Quo belegte Bühnenbildner Florian Angerer mit muffigem Wohnzimmerinventar samt altbackenen Sesseln, altbackenen
Gardinen und Schirmlampen. Der Zufall bringt Peter und Petra zusammen, und es keimt die Hoffnung auf einen Neuanfang, auf einen zweiten (Lebens-)Frühling. Doch das will der Einsatzleiter verhindern. Thomas L. Dietz glänzt in dieser Rolle des gottgleichen, abgehalfterten
Strippenziehers. Im glitzernden Elvis-Kostüm mutiert Dietz zu einem schmierigen, selbstgerechten Entertainer und sarkastischen Chef, der zwei
Geister (köstlich koboldhaft Rebecca Kirchmann und Hartmut Neuber) losschickt, um das drohende Unheil – das neue Lebens- und Liebesglück
von Peter und Petra – abzuwenden. Shakespeare lässt grüßen: Und so schüren die beiden Geister bei Peter und Petra Unbehagen, beschwören
alptraumhafte Szenarien mit peinlichen Schwiegereltern, nervigen, emotionslosen Kindern oder schrecklich-protzigen, Sozialneid schürenden Freunden. Und als Peter auch noch ein Kind von Petra will, ist für die Geister klar, dass sie diesmal leichtes Spiel haben: „45-jährige Erstgebärende finde ich prima. Es wird ein Kaiserschnitt, ihre Figur ist flöten, und er dreht nach drei Monaten Dauergeschrei durch. Das erledigt sich doch von allein.“ Aber so einfach ist die Sache nicht. Denn Peter und Petra wollen unbedingt zusammenkommen ...
Zugegeben, der Berg-Text kommt (beim Lesen) spröde daher. Dafür bietet er den Schauspielern viel Spielraum. Und den wussten die Nürnberger glänzend zu nutzen. Unter der Regie von Schirin Khodadadian agierte das hervorragend besetzte fünfköpfige Ensemble fulminant-komödiantisch, lustvoll und aus einem Guss. Dazu kamen pointierte Gesangseinlagen (Musik: Bettina Ostermeier). Ein Schau- und Hörvergnügen – für leider nur rund 300 Theaterfreunde.

>> Allgäuer Zeitung  | 23.02.2011

Verlorene Seelen

Ödön von Horváths Volksstück «Kasimir und Karoline» im Kemptener Theater geht unter die Haut - Die Eigenproduktion ist noch drei Mal zu sehen

Kontrastreicher kann ein Theaterabend nicht sein. Das Oktoberfest, eigentlich Schauplatz des Volksstücks «Kasimir und Karoline» von Ödön von Horváth, fand im Foyer des Theaters in Kempten (TiK) und nicht auf der Bühne statt. Schunkelmusik der Stadtkapelle und Freibier für alle, die in Tracht kamen. Und es waren viele. Auf der Bühne wars dann freilich vorbei mit Leutseligkeit und Gemütlichkeit. Ein kahles grünes Podest als Wiesn. Ein Hintergrundprospekt mit einem einzigen Luftballon oder dem Mond am Fest-Himmel. Hinsetzen konnten sich die Akteure nur auf den Boden.
Unerbittlich zeigte sich Regisseur Oliver Karbus in dieser Co-Produktion mit dem Stadttheater Bruneck und lieferte seine Schauspieler schonungslos einander aus. Am Anfang stehen sie alle da, den Blick sehnsuchtsvoll nach oben gerichtet zum Zeppelin, von dem nur ein leises Surren zu hören ist. Quasi die unterdrückten Aggressionen dieses Querschnitts der Gesellschaft - der Kommerzienrat neben dem Zuschneider, die Büroangestellte neben dem Kleinkriminellen. «Bald werden wir alle fliegen», sagt einer von ihnen. Dieser Satz wird nicht nur einmal fallen und ist so doppelsinnig wie programmatisch. Denn die Zeiten sind schlecht.
Horváths «Ballade vom arbeitslosen Chauffeur Kasimir und seiner Braut», die er als «treuer Chronist» (Horváth) seiner Zeit in den 1930er Jahren aufschrieb, verstört auch heute noch. Regisseur Karbus hat das Stück mithilfe von Musik, Kostümen (Monika Herédi) und der Körpersprache der Darsteller aktualisiert.
Horváths Sprache dagegen hat Karbus sehr genau genommen. Horváths Figuren reden klischeehaft und allgemein. Zwischen den Zeilen aber, in den Redepausen, da kann man in die Abgründe ihrer verlorenen Seelen schauen. Das war großartig umgesetzt.

Die Liebe kommt abhanden
«Und die Liebe höret nimmer auf», stellt Horváth seinem Volksstück voran. Und doch geht auf diesem Fest die Liebe zwischen dem eigentlich gutmütigen Kasimir (Benjamin Ulbrich) und seiner Braut Karoline (Sara Sommerfeldt) verloren. Als Kasimir sie in seinem Frust verletzt, sucht sie trotzig Trost beim Zuschneider Schürzinger. Leicht näselnd, in einem weinerlichen Singsang gab Johannes Gabl wunderbar leicht und komisch zugleich einen einsamen, verträumten Poeten, der natürlich trotzdem auf seinen Vorteil bedacht ist. Das andere Paar, eine Stufe drunter: Dem Merkl Franz seine Erna (Julia Loibl) und seine Wenigkeit in Ledermantel und Krawatte (Thomas Lackner). Der König der Underdogs, jederzeit zum Zuschlagen bereit. Erna, immer in Habacht-Stellung, die Arme schützend vor der Brust. Sie zuckt schon zusammen, wenn er ihr nur die Handschuhe hinhält. Will sie ihn küssen, greift er ihr brutal ins Gesicht, sie lächelt trotzdem glücklich. Das war ausgezeichnet gespielt und unheimlich anzuschauen.
Auch Sara Sommerfeldt spielt sehr glaubhaft ihre Karoline, die sich zu etwas Höherem aufschwingen will. Einerseits romantisch naiv, andererseits kokett berechnend liefert sie sich den unverhohlen lüsternen Herren Rauch (Horst Herrmann) und Speer (Richard Aigner) aus. Ein erstklassiger Theaterabend mit Gänsehauteffekten, der jedoch nie zu schwer geriet und ein begeistertes und glückliches Premierenpublikum hinterließ. | Jana Schindler

>> Allgäuer Zeitung  | 22.02.2011
Horváths Volksstück berührt Zuschauer
«Man hat halt oft so eine Sehnsucht in sich », sagt Karoline (Sara Sommerfeldt) am Ende von «Kasimir und Karoline» schluchzend. Hinaufschwingen wollte sie sich, die Büroangestellte, in höhere gesellschaftliche Schichten und hätte sich dafür beinahe prostituiert.
Ziemlich unsanft kracht sie «mit gebrochenen Flügeln» auf das grüne Podest, das in Oliver Karbus Inszenierung die Oktoberfestwiese darstellen soll. Ödön von Horváths kritisches Volksstück zur Wirtschaftskrise in den 1930er Jahren ist aktueller denn je und beeindruckte bei der Premiere im Theater in Kempten mit großartigen Darstellern. Das Publikum der zweiten TiK-Eigenproduktion dieser Saison war begeistert und berührt. Noch drei Mal gibt es die Gelegenheit, das Stück zu erleben: am Samstag, 26. Februar, um 19 Uhr (Einführung um 18.15 Uhr), am Sonntag, 27. Februar, in einer Nachmittagsvorstellung (16 Uhr) mit kostenloser, professioneller Kinderbetreuung und einem anschließenden Publikumsgespräch sowie am Freitag, 4. März, um 20 Uhr (Einführung 19.15 Uhr) | jms

>> Süddeutsche Zeitung | 21.02.2011
Kasimir und Karoline im Hier und Jetzt
Kempten - Eigentlich hatte Karoline sich doch nur mit ihrem Bräutigam Kasimir auf dem Oktoberfest amüsieren wollen. Doch als die Nacht zu Ende geht, ist die Leibe zerbroichen. Im rosa Kleidchen und mit aufgelöster Frisur verabschiedet Karoline ihre Träume: "Man hat halt oft so eine Sehnsucht in sich - aber dann kehrt man zurück mit gebrochenen Flügeln und das Leben geht weiter, als wäre man nie dabeigewesen." Regisseur Oliver Karbus, der Ödön von Horváths Stück für das THEATERINKEMPTEN inszeniert hat, nimmt die Helden ernst. Er macht aus Kasimir (Benjamin Ulbrich) und Karoline (Sara Sommerfeldt) keine Festzelt-Karikaturen, sondern fühlt sich ein in zwei strauchelnde Glückssucher - in Kasimirs Arbeitslosigkeit und in seine Selbstzweifel; in Karolines Lebenshunger und ihre Verletzlichkeit.
Horváth hat sein "Volksstück" während der Weltwirtschaftskrise geschrieben. 80 Jahre später habe der Text nichts an Aktualität eingebüßt, sind sich Karbus und Nikola Stadelmann, die künstlerische Leiterin des Theaters, einig und entwerfen den Abend als Porträt der heutigen Gesellschaft. Dieser Ansatz stößt auf Resonanz, die Premiere am Samstag ist ausverkauft. Die Mehrheit der Gäste erscheint in Tracht und sichert sich somit ein Freibier. "Wir simulieren hier im Foyer das Oktoberfest, dann kommen wir auf der Bühne ohne die Wies'n aus", kommentiert Stadelmann den Fassanstich im Kreis der Dirndl- und Lodenträger. Die Aufführung selbst ist von Volkstümelndem befreit. Allein die vulgär-schmissigen Dance-Schlager, die zwischen den Szenen eingespielt werden, verorten den Abend im Hier und Jetzt. Klaus Gasperis Bühnenbild reduziert sich auf Fotoprojektionen, die im Hintergrund den Übergang vom Tag zur Nacht illustrieren. In Zusammenarbeit mit dem Stadttheater Bruneck wurde für diese Eigenproduktion ein Ensemble gewonnen, dem es gelingt, die entschlackte Version des Stückes mit Intimität aufzuladen. | Nadia Pantel


>> Allgäuer Zeitung, Kempten | 27.10.2010

Wundervoller Komödiant
Miensopust bringt Kinder zum Lachen und Nachdenken

Wenn ein schwindelerregend schiefer hoher Turm aus alten Töpfen einen Berg darstellt, der zwischen zwei Königreichen liegt und ein grünkariertes Geschirrhandtuch sich von einem Baby in einen Schnurrbart in eine Papierrolle in eine Fanfare in eine Bettdecke und noch tausend Dinge verwandelt - dann befindet man sich in einer der ursprünglichsten und wunderbarsten Bühnen-Situationen, die es gibt.
Wundervoller Komödiant

Dem Theater in Kempten ist mit dem lustig-nachdenklichen Erzähltheater «Die Geschichte von der Schüssel und dem Löffel» ein ausverkaufter, begeistert aufgenommener Auftakt ins neue Programm des Kinder- und Jugendtheaters geglückt. Nicht zuletzt und vor allem Dank des wundervollen Komödianten und ideenreichen Regisseurs des Stückes, Michael Miensopust.

In etwa 15 verschiedene Rollen schlüpft der Schauspieler, um die Geschichte von Michael Ende über zwei zerstrittene Königsfamilien zu erzählen, die wegen zwei begehrten Gegenständen einen Krieg lostreten. Verpackt hat Michael Miensopust das Märchen in einen aktuellen Rahmen, in dem er als Gastarbeiter nur abspülen und abtrocknen darf, wo er in seinem Land als Chefkoch die beste Suppe des Landes gezaubert hat. Und erteilt so ganz nebenbei Lektionen darin, wie man über den Tellerrand hinausschauen und nicht nur sein eigenes Süppchen kochen kann. (jms)


>> Allgäuer Zeitung, Kempten (Klaus-Peter Mayr) | 22.10.2010
Spiel, Satz und Sieg
Jochen Heckmanns humorvoll-athletische Choreografie «Match Point» im Stadttheater:

So macht modernes Tanztheater Spaß - Raffiniertes Bühnenbild mit Bierkisten

Kemptens Theaterdirektorin Nikola Stadelmann erklärte ihr Haus für die nächsten neun Monate zur «Spielwiesn». Schon bei der ersten Eigenproduktion zum Saisonstart hat sie - um im Bild zu bleiben - einen schönen Sieg eingefahren. Das Publikum sah bei der ausverkauften Uraufführung des Tanztheaters mit dem sinnigen Titel «Match Point» eine unterhaltsame Partie mit einem starken Team.
Dessen Kapitän ist ein Altbekannter im Theater in Kempten (TiK): Jochen Heckmann. Er hat seit der Wiedereröffnung des Hauses im Jahr 2007 schon dreimal Tanz auf die Bühne gebracht - mit durchwachsenem Erfolg. Doch Cheftrainerin Stadelmann, mit Heckmann schon lange verbunden, hielt an dem Tänzer und Choreografen fest. Was sich diesmal voll auszahlte.
Heckmann scharte für «Match Point» vier junge, aber schon recht reife und ausdrucksstarke Tänzerinnen und Tänzer um sich und gewann die erfahrene Angela Loewen fürs Bühnenbild und die Kostüme. Ein schlagkräftiges Team. Auch der Austragungsort war gut gewählt. Die Mannschaft lief im kleinen Saal, dem Theater-Oben, auf, das wie eine Arena gestuhlt war.
Die rund 160 Zuschauer wurden in zwei Hälften aufgeteilt und setzten sich auf gegenüberliegende Tribünen. Getanzt wurde auf einem sechs mal zwölf Meter großen Rechteck zwischen dem Publikum. Eine gute Platzwahl. Tanz wird so zu einem hautnahen Erlebnis: Die Zuschauer sehen, wie sich die Muskeln und Sehnen spannen und entspannen, sie spüren den Lufthauch von Bewegungen, riechen die Körper, kriegen auch mal einen Schweißtropfen ab. Ja, es wurde richtig gekämpft in dieser Partie. Jochen Heckmann und seine Mitstreiter Caroline Finn, Corneliu Ganea, Ivonne Kalter und Patricia Rotondaro beackern das weite Feld des Sports.
Sport ist alles - bloß kein Spaß. Es gibt kaum einen ruhigen Augenblick in diesen zweimal 45 Minuten. Nur am Anfang, da schleichen sich die fünf Tänzer leise auf den Platz. Aber gleich beginnt eine Art Reise nach Jerusalem. Erst konkurrieren die einzelnen Spieler-Tänzer um den freien Stuhl, später um den Sieg. Sie buhlen um die Gunst des Publikums, schleichen als Verlierer vom Feld, müssen sich im Duell Mann-gegen-Mann oder Frau-gegen-Frau behaupten. Sind aggressiv und nachgiebig, freuen sich und sind enttäuscht, triumphieren und zeigen sich irritiert. Nette Mädchen verwandeln sich in geifernde Zicken, Burschen in Bengel. Selbst Liebesspiele geraten zu Wettkämpfen.
Für all diese sportlich-menschlichen Regungen, die bisweilen wie Kleinkinderspiele wirken, hat Jochen Heckmann sich eine flüssige, schlüssige Choreografie mit viel Humor, Ironie und Athletik einfallen lassen. Da geht es mal Vier gegen einen oder 3 gegen zwei. Zur Abwechslung dürfen mal zwei miteinander. Wunderbar beschleunigen und verdichten die Tänzer ihre Bewegungen, raffiniert werden Sequenzen gespiegelt und variiert.

Wer dann mal siegt, darf aufs Treppchen und den Pokal küssen. Beides, Treppchen und Pokal, sind banale graue Bierkisten. Mehrere Dutzend stehen auf der Bühne herum, bilden mal den Spielfeldrand, mal eine Mauer, dienen als Schlittschuhe oder Hürden. Auch das eine super Idee mit super Umsetzung.

Wer modernes Tanztheater auf solche Weise inszeniert, wird Freunde gewinnen für diese Kunstform, die im Allgäu immer noch ein ein Mauerblümchen-Dasein fristet. Das Publikum bei der Premiere hatte jedenfalls seine helle Freude. Spiel, Satz und Sieg für Heckmann und das Theater in Kempten.

Weitere Aufführungen am 30. Oktober (19 Uhr), 31. Oktober (16 Uhr), 19. November (20 Uhr) und 20. November (19 Uhr). Karten bei der Allgäuer Zeitung, Telefon 0831/206-430.

Kreisbote Kempten, 27.10.2010

Von Siegern und Verlierern

Tanztheater »Match Point« entführt in die Welt des Sports
Kempten – In der Welt des Sports hat der Tänzer und Choreograph Jochen Heckmann sein Tanztheater „Match Point“ mit Witz und Hintersinn aufs Spielfeld gebracht. Vergangene Woche feierte es im TheaterOben eine gelungene Uraufführung. Zum Auftakt der neuen Saison des TheatersInKempten (TIK), der erstmals im Rahmen des Tanzherbstes stattfand, hat Heckmann in seiner vierten Choreographie für das TIK ein ausgefeiltes Spiel des Lebens inszeniert und choreographiert, das im Sport sein komprimiertes Ebenbild fand: Wettstreit mal mit Teamgeist, mal als Einzelkämpfer, Ehrgeiz, Rivalität und Eitelkeiten, auf dem Treppchen im Rampenlicht stehen
oder in der Bedeutungslosigkeit verschwinden, Gemeinsamkeit und Einsamkeit, Siegesrausch und Niederlage – und auch die Freude am Sich-Messen und einfach die Lust am Spiel beherrschten die Szenen. Wie bei einem Tennismatch konnten die Zuschauer auf Tribünen längs des rechteckigen Spiel- beziehungsweise Bühnenfeldes, ganz nah dran, mitfiebern. Abgesehen vom ersten „Match“, bei dem sich das ausdrucksstarke
Tanzteam – Caroline Finn, Patricia Rotondaro, Ivonne Kalter, Corneliu Ganea und Jochen Heckmann – still
und leise in den vom Sportsgeist beseelten Ring des Lebens schlich, waren es schnelle, zeitweise schon athletische Sequenzen, die das Publikum im ausverkauften TheaterOben zweimal 45 Minuten lang in Atem hielt.
Bilder, die, wie der Fehlstart beim Schwimmwettbewerb, der harten Wirklichkeit des Leistungssports entlehnt sind, wechselten mit spielerischen Szenen, die ihre Inspirationsquelle in Kitas oder ähnlichem vermuten ließ.Aber die Welt der Erwachsenen machte auch aus der zunächst harmlos beginnenden, leicht modifizierten
„Reise nach Jerusalem“ bald einen ehrgeizigen Kampf um den Sieg.

Vielfältige Aufnahmen

So vielfältig die Momentaufnahmen der Spielarten des Lebens über das Spielfeld – oder auch mal durch das fiktive Schwimmbecken – rauschten, so rasch und wechselhaft formierten sichdie Konstellationen im Kräftemessen: Frau mit oder gegen Frau oder selbiges unter Männern, natürlich auch imgemischten
Einzel- oder Doppel und schlussendlich alle gegen einen oder umgekehrt. Blieb bei der ersten Spielhälfte noch die eine oder andere Verständnisfrage offen – was der Sache keinen Abbruch tat –, wurde es in der zweiten konkreter und leichter nachvollziehbar. Dass weniger manchmal mehr ist, bewies Angela Loewen mit einem
feinen Händchen für Bühnenbild und Kostüme. Ersteres bestand aus stapelweise grau gestrichener Bierkisten, die als Einfassung des Spielfeldes, als Turm, als Mauer, als Siegerpodest, Schlittschuhe, Startblöcke und was nicht noch alles fungierten. „Erfolg tut gut“, steht im Umschlag des Programmhefts zu „Match Point“. Mit dem Tanztheater hat das TIK schon mal einen erfolgreichen Saisonstart hingelegt. ct

Allgäuer Zeitung, Kempten | 27.10.2010
Wundervoller Komödiant
Miensopust bringt Kinder zum Lachen und Nachdenken

Wenn ein schwindelerregend schiefer hoher Turm aus alten Töpfen einen Berg darstellt, der zwischen zwei Königreichen liegt und ein grünkariertes Geschirrhandtuch sich von einem Baby in einen Schnurrbart in eine Papierrolle in eine Fanfare in eine Bettdecke und noch tausend Dinge verwandelt - dann befindet man sich in einer der ursprünglichsten und wunderbarsten Bühnen-Situationen, die es gibt.
Wundervoller Komödiant

Dem Theater in Kempten ist mit dem lustig-nachdenklichen Erzähltheater «Die Geschichte von der Schüssel und dem Löffel» ein ausverkaufter, begeistert aufgenommener Auftakt ins neue Programm des Kinder- und Jugendtheaters geglückt. Nicht zuletzt und vor allem Dank des wundervollen Komödianten und ideenreichen Regisseurs des Stückes, Michael Miensopust.

In etwa 15 verschiedene Rollen schlüpft der Schauspieler, um die Geschichte von Michael Ende über zwei zerstrittene Königsfamilien zu erzählen, die wegen zwei begehrten Gegenständen einen Krieg lostreten. Verpackt hat Michael Miensopust das Märchen in einen aktuellen Rahmen, in dem er als Gastarbeiter nur abspülen und abtrocknen darf, wo er in seinem Land als Chefkoch die beste Suppe des Landes gezaubert hat. Und erteilt so ganz nebenbei Lektionen darin, wie man über den Tellerrand hinausschauen und nicht nur sein eigenes Süppchen kochen kann. (jms)

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