TWO'S A COUPLE, THREE'S A CROWD
Tanztheater von Jochen Heckmann | Uraufführung


Drei sind eine/r zu viel…?!
In ihrem neuesten Tanztheater, dem nunmehr fünften für das THEATERINKEMPTEN, nehmen sich Choreograf Jochen Heckmann und Dramaturgin Nikola Stadelmann dieses alten, doch immer neuen Themas an. Was passiert, wenn in eine gefestigte Zweierkonstellation ein Dritter oder eine Dritte einbricht?
In einer Art Versuchsanordnung loten sie verschiedene „2+1“-Variationen aus, ohne Klischees zu bedienen, immer voller Zuneigung für ihre Figuren und mit einer großen Portion augenzwinkerndem Humor.

Der „Kampf der Geschlechter“ ist mehr und mehr zum Machtgerangel zwischen Individuen geraten. Mit dem Verschwimmen der Geschlechterrollen geht es zunehmend darum, wer wie lange zu wem passt und wie eine Beziehung überhaupt zu führen ist. Zusammenziehen oder getrennte Wohnungen? Ab in die Kiste oder ist die Kiste bereits das, wovor so viele Angst haben, weil sie die persönliche Freiheit beschränken könnte, eigene Entfaltungsmöglichkeiten begrenzen anstatt sie zu erweitern?

Die Frage nach der gemeinsamen Zukunft wird meist mit einem Schulterzucken beantwortet: Mal schauen… Der/die eine lässt sich mutig ein auf das Abenteuer, der/die andere bleibt auf Distanz und verkriecht sich hinter seinen Bindungsängsten, wittern Rosenkriege, Ausnutzung, Täuschung und Verrat. Männer und Frauen passen halt nicht zusammen…
Dass nicht jeder/jede mit jeder/jedem kann scheint hinlänglich bewiesen. Doch manchmal muss Mann/Frau einfach können – wie auch immer. Jede Paarung hat ihre eigene chemische Verbindung. Mal anziehend, mal abstoßend oder – wie Säure und Base – sich gegenseitig aufhebend. Manche können sich nicht riechen, andere verlieren im Verschmelzungstaumel das Gespür fürs Feine, Subversive und womöglich sich selbst.

Was wäre, wenn wir die Beziehung auf Probe einführen könnten? Drei Monate Partner/in mit Rückgabe- und Geld-zurück-Garantie – ohne Risiken und Nebenwirkungen.
Eine Versuchsanordnung also – in die (Beziehung-)Kiste, fertig, los. Halb so wichtig, wer mit wem, umso spannender aber, wie und mit wie viel Energie, Emotion und Ernüchterung. Was passiert mit den Erwartungen, Hoffnungen und Entwicklungspotenzialen? Geteiltes Leid? Doppeltes Glück? Bleibt Mann/Frau stehen oder wird er/sie durch die/den andere/n zu einer leuchtenden Figur, die den Raum so erhellt, dass man meinen könnte, die Sonne strahle direkt durch die geschlossene Kiste hindurch und entwickele ein eigenes Universum?
In unserer neuen Tanztheaterproduktion werden drei Personen und ihre Kompatibilität in Sachen Partnerschaft auf die Probe gestellt.

In unserem „Versuchslabor“ im THEaterOben beginnen sie alle bei Null und entwickeln in dreierlei Experimenten ihre eigenen Mechanismen, handeln ihre Konditionen aus und streben nach dem Besten – meistens für sich selbst. Das kann amüsant sein, aber auch anstrengend und manchmal mitnichten so reibungslos, wie man es den Protagonisten gewünscht hätte. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt und was bleibt, ist die Zuversicht, dass es durchaus auch klappen könnte und es immer wieder Gelegenheit gibt, es besser zu machen. Drei Menschen, drei Konstellationen. Vielleicht auch eine Ménage-à-trois? Wer weiß...
(Jochen Heckmann & Nikola Stadelmann)


Das THEaterOben mit seiner intimen Atmosphäre und der greifbaren Nähe zwischen Akteuren und Publikum ist dafür (wieder) ein idealer Ort. Seien Sie gespannt, welche räumliche Variante sich das Produktionsteam diesmal ausgedacht hat.

Einführung 45 Min. vor Vorstellungsbeginn im THEaterOben am 14.10., 22.10. und 18.11., Publikumsgespräch nach der Vorstellung am 23.10.


Bilder


(c) Daniel Suchy
   
(c) Daniel Suchy
   
(c) Daniel Suchy
   
(c) Elmar Suchy
   

Termine

22.10.2011 | Beginn: 19:00 | THEaterOben | Preise I (29,00 - 19,00 €)

23.10.2011 | Beginn: 16:00 | THEaterOben | Preise I (29,00 - 19,00 €)

18.11.2011 | Beginn: 20:00 | THEaterOben | Preise I (29,00 - 19,00 €)

19.11.2011 | Beginn: 19:00 | THEaterOben | Preise I (29,00 - 19,00 €)


Besetzung

Idee: Jochen Heckmann & Nikola Stadelmann
Choreografie: Jochen Heckmann
Bühne & Kostüme: Angela Loewen
Lichtgestatung: Günther Schweikart
Dramaturgie: Nikola Stadelmann

Mit Jochen Heckmann, Gemma Miro Roca und Patricia Rotondaro

Eigenproduktion des THEATERINKEMPTEN



Pressestimmen

Allgäuer Zeitung, 17.10.2011
Höchstes Glück, tiefster Schmerz
Jochen Heckmanns gefühlvolle Choreografie über einen Mann zwischen zwei Frauen rührt die Zuschauer an
Von Jana Schindler

Was in der letzten Spielzeit des Theaters in Kempten die grüne Spielwiese war, auf der sich alles vergnügte und verletzte, so ist es in dieser Spielzeit die (Beziehungs-)Kiste, die sich öffnet und schließt, freigibt und verschlingt. Man begegnete ihr schon bei der Saisoneröffnung und dem damit zusammenfallenden Start des Kemptener Tanzherbsts.
Jochen Heckmanns gefühlvolle Choreografie über einen Mann zwischen zwei Frauen rührt die Zuschauer an In dem Dreipersonenstück „Two’ a couple, three’s a crowd“ (frei übersetzt: „Drei ist einer zuviel“) von Jochen Heckmann sitzt das Premierenpublikum mittendrin in dieser schwarzen Theater-Oben-Kiste und schaut von drei Seiten auf die mit blutroten Kissen übersäte, schwarze Tanzfläche, wo der Geschlechterkampf stattfinden wird. Ein Blick, der sich während des Abend dreimal verändert, wechseln die Zuschauer doch zweimal die Plätze, um den drei ausdrucksstarken Tänzern bei ihrer Ménage à trois zuzusehen.

Es ist Jochen Heckmanns fünfte Produktion für das Kemptener Theater, die dritte auf der kleinen Bühne. War „Empfänger verzogen“ das intellektuellste, „Match Point“ das witzigste Stück, dann ist das neueste Werk des Choreografen wohl das emotional anrührendste.

Da ist sie also, die Kiste: ein großer Würfel mit schwarzem Loch. Als von der Decke hängendes Kistengewucher. Das große nicht (Be-)Greifbare. Das Beziehungsgeflecht. Darunter ein knallroter Kissenhaufen (Bühne und Ausstattung: Angela Loewen). Drei Menschen, drei Perspektiven, rot die Verlockung und schwarz die unheilvollen Löcher. Bei so viel Zahlenmystik und plakativem Bühneneifer wird einem etwas bange.

Doch äußerst differenziert dann der Tanz selbst. Musikalisch untermalt von einer Klangcollage aus Max Reger sowie dem Kronos Quartet in klassischer Instrumentierung und Alltagsgeräuschen. Regen, Vogelgezwitscher am Anfang. Größtmögliche Vertrautheit eines Paares. Eine Frau (Patricia Rotondaro) und ein Mann (Jochen Heckmann) gehen beinahe symbiotisch durch ihre Kissen-Burg.

Er trägt sie auf seinen Füßen. Sie beugt sich tief nach hinten. Er hält sie an den Händen und legt seinen Kopf auf ihren Bauch. Innigkeit und Ausgelassenheit. Pause. Perspektivwechsel. Das Unbekannte, Verlockende in Gestalt der Neuen (Gemma Miró Roca) bricht herein. Die Frauen verbünden sich. Der sich animalisch windende Mann wird vom schwarzen Loch der Kiste verschluckt. Pause. Perspektivwechsel. Der Mann und die Andere, sich umarmend. Die Frau packt rote Kissen in kleine graue Kisten. Am Ende ist der Mann allein. Schmerz und Einsamkeit.

Heckmanns den Kemptenern mittlerweile vertraute Tanzsprache – seine sehr gestische Choreografie, seine fesselnden Bilder, sein fast kindliches Sprechen mit den Händen und Fingern – zeugt gerade in dieser Produktion von der Suche nach großer Wahrhaftigkeit in den tänzerischen Ausdrucksmöglichkeiten. Raum, Körper, Musik verschmelzen zu einem aufrichtigen, berührenden und intensiven Abend mit viel Applaus für drei beachtliche Tänzer im ausverkauften Theater-Oben.

Meisterlich und ausdrucksstark

Kreisbote Kempten, 19.10.2011
Von CHRISTINE TRÖGER

Kempten – Kurz gesagt, rundum stark war der Auftakt zur neuen Spielzeit im Theater in Kempten (TIK) und zugleich Startschuss für den 11. Kemptener Tanzherbst. Glänzte die Eigenproduktion „Match Point“ des Choreographen und Tänzers Jochen Heckmann im vergangenen Jahr nicht zuletzt durch viele witzige Momente, hat er für diese Saison mit „Two’s a couple, three’s a crowd“ – frei übersetzt „Drei sind einer zuviel“ – ein Tanztheater kreiert, das von der ersten bis zur letzten Sekunde vor Spannung und Intensität nur so strotzt.
Mehr noch als bereits die Vorjahresproduktion profitiert das heuer bereits fünfte Auftragswerk Heckmanns für das TIK, von der intimen räumlichen Nähe zwischen Publikum und Tänzern im TheaterOben. Dem Spielzeitmotto „Beziehungskiste“ Rechnung tragend, entwickeln die Protagonisten – zwei Frauen, ein Mann – in drei „Experimenten“, ob, wer mit wem und vor allem wie die jeweilig Beziehungskonstellation funktionieren kann. Werden die Karten neu gemischt, wenn ein Dritter in die schließlich gefundene Zweierharmonie eindringt? Oder funktioniert sie auch als „Ménage à trois“? Liebe und Leid, Hingabe, Leidenschaft, Eifersucht, Gewinner und Verlierer, Eins plus Eins, Zwei plus Eins – schlussendlich Eins, Eins, Eins. Jochen Heckmann, Patricia Rotondaro und Gemma Miró Roca führten ihr Publikum im TIK mit nuancierter und doch eindringlicher Wucht durch Gefühlshöhen und -tiefen. Drei unterschiedliche Beziehungskonstellationen. Drei Versuche das verträgliche Maß von Nähe und Distanz zu finden. Drei Variationen im Umgang mit dem „Störenfried“. Dreimal forderten die Choreographien tänzerische Höchstleistungen, die meisterlich und ausdrucksstark erfüllt wurden.
Drei unterschiedliche Blickwinkel konnte das Publikum auch perspektivisch erleben. Nach den kurzen Pausen zwischen den Episoden nahm es im Rotationsverfahren den jeweiligen Platz im nächsten der insgesamt drei Sitzblöcke ein. Ein Meer von roten Kissen setzen variable Akzente auf der schlichten, schwarz gehaltenen Bühne, die ansonsten mit nur drei sich ähnelnden „Beziehungskisten“ auskam.
Zunächst unbeschwerte Zweisamkeit, in die sich schleichend eine dritte Person drängelt, im ersten Experiment. Intimität, Abgrenzung, verzweifelte Rettungsversuche, Ablehnung bis zur handgreiflichen Aggression – der „Störenfried“ konzentriert die roten Kissen bei sich.
Am Ende allein
Die beiden Frauen sind allein auf der Bühne als das Licht ausgeht. Die ausgelassene Vertrautheit der beiden Frauen in Experiment zwei schmeckt dem Mann nicht. Verborgen unter verstreuten Kissenbergen umschleicht er sie beobachtend. Die beiden flüchten, als er zornig auf eine geöffnete Beziehungskiste zurobbt, zu stakkatohafter Musik mit archaischen Gesängen ein sich zu ekstatischen Bewegungen steigerndes Solo tanzt und in der Kiste verschwindet. Die ausgelassen zurückgekehrten Mädchen werden wie von Zauberhand abrupt gestoppt – die eine zitternd vor einer über ihr – in den Sternen? – hängenden Beziehungskiste stehend, die andere zögernd an der Tür des Störenfrieds. Wer wird das Wechselspiel aus Annäherungen und Zurückweisungen im dritten Experiment wohl seinen Interessen gemäß entscheiden? Rotondaro packt rote Kissen in kleine Beziehungskisten, die sie schließlich unter einer großen „begräbt“. Am Ende bleibt jeder mit sich selbst allein.
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