Scheinwelten
Spielzeit 2012/13
SUSN
Schauspiel von Herbert Achternbusch | Mit Brigitte Hobmeier
Der bayerische Schriftsteller, Filmemacher und Maler Herbert Achternbusch erzählt das Leben der rothaarigen Susn aus dem Bayerischen Wald, die an den Zwängen ihrer Welt ebenso radikal scheitert wie sie gegen sie aufbegehrt. Das Publikum lernt Susn als 17-Jährige bei der Beichte kennen und begleitet sie in 10-Jahres-Schritten an neuralgische Punkte ihres Lebens.
Achternbusch hat Susn mit einem solchen
Lebenshunger ausgestattet, für den es in der Welt, so wie sie sie vorfindet, nicht die entsprechende Nahrung gibt. Zugleich besitzt sie eine ungeheure
Verweigerungsenergie. Das muss natürlich himmeltraurig enden. Denn: „Wahrscheinlich ist die Revolution eben doch ein jetzt täglich zu leistender Prozess und nicht ein einziger blutiger Tag, auf den man hinarbeiten muss.“
„Regisseur Thomas Ostermeier beweist großes Gespür für die Tragik dieser gescheiten, gescheiterten Susn, die Brigitte Hobmeier mit Haut und Haar spielt, ‚Kunst‘, sagt sie am Anfang, ‚kunst di ned anständig verabschieden? Servus...‘. Der Satz [...] umreißt es gut: Um Kunst, ihre regionale Verwurzelung und Verwirklichung, um Abschied und eine Lebensbilanz geht es.“
(Frankfurter Rundschau)
„Brigitte Hobmeier, dieses Wunderwesen, das so elfenzart und so burschikos-bodenständig sein kann, ist ein erotisches Naturereignis. Wie sie in Unterwäsche auf einem Stuhl sitzend tief aus- und einatmet, das ist pure Verführung, neben der die Pin-up-Posen sämtlicher Supermodels wie plumpe Anmache wirken. (...) Thomas Ostermeiers klug konzentrierte Inszenierung (...) ist frei von Gefühlskitsch und Opferromantik. Er tappt in keine Falle, vermeidet Dorffolklore ebenso wie Bayernkabarettnummern und Pfaffenkarikaturen. Er zitiert mit Can musikalisch die Siebziger Jahre, lässt die Studentin Susn ihr zorniges Wortgewitter als Sprechgesang ins Mikro schreien und schafft es, den Staub von dem Stück zu pusten, das in eine Zeit zurückführt, als die Religion in Niederbayern ein Frauenleben regierte.“ (www.nachtkritik.de)
Mit „Susn“ steht ein ganz besonderes Theatererlebnis auf dem TIK-Spielplan. In München immer ausverkauft, ist dieses Stück des großen Achternbusch in einer erstklassigen Inszenierung eines der renommiertesten Regisseure Deutschlands mit einer umwerfenden Hauptdarstellerin nun in Kempten zu erleben. Mit den Münchner Kammerspielen ist eines der innovativsten Theater Deutschlands im Allgäu zu Gast – das sollten Sie sich nicht entgehen lassen.
Bilder
(c) Andreas Pohlmann | |
(c) Andreas Pohlmann | |
(c) Andreas Pohlmann | |
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Termine
21.03.2012
| Beginn: 20:00 | Stadttheater |
Preise I (49,00 - 16,00 €)
Besetzung
Münchner Kammerspiele
Regie: Thomas Ostermeier
Pressestimmen
Allgäuer Zeitung vom 23. März 2012
Wie ein Leben misslingt
von Klaus-Peter Mayr
Susanne ist abgestürzt, schlimmer geht’s kaum. Am Ende liegt sie vor der Klosettschüssel, auf der sie gerade noch ihr Geschäft verrichtet hat – tot, oder zumindest so mit Schnaps abgefüllt, dass sie sich nicht mehr halten konnte. Ein menschliches Wrack ist sie geworden. Dabei hatte es gar nicht mal so hoffnungslos angefangen, dieses 47 Jahre währende Leben der „Susn“.
Herbert Achternbusch, der widerspenstige bayerische Filmemacher und Schriftsteller, entwarf diese gnadenlos grausame Biografie vor über 30 Jahren, jetzt war sie im Stadttheater Kempten in der hochgelobten Inszenierung der Münchner Kammerspiele (Regie: Thomas Ostermeier) zu sehen.
Erzählt wird die Geschichte einer Frau, die aus bäuerlich-traditionellen Verhältnissen kommt, sich aber nicht mit dem zufrieden gibt, was sie zu erwarten scheint: Kinder, Küche, Kirche und eine patriarchalische Welt voller (sexueller) Gewalt. Sie will ausbrechen, kämpfen, studieren, glücklich sein. Aber Susn schafft es nicht. Sie scheitert an einer Welt, die ihr keinen Raum und Platz lässt. Und an Männern, die sie entweder als Sexualobjekt missbrauchen – oder gar nicht wahrnehmen (Edmund Telgenkämper spielt sie mit unspektakulärer Brutalität).
Eine gute Geschichte, auch wenn sie holzschnittartig und arg zugespitzt erscheint. Richtig packend wird sie erst durch Brigitte Hobmeier. Die Schauspielerin, die inzwischen zu den Großen im deutschen Theater zählt und in etlichen Filmen glänzte, bringt das verkorkste Leben dieser Susn grandios-beklemmend auf die Bühne. Anfangs ist sie eine unschuldige, kämpferische 17-Jährige, die aus der Kirche austreten will, am Ende eben jene Alkoholikerin, die geschunden und gedemütigt vom Klo sinkt.
Wie gut diese Inszenierung ist, hatte sich im Vorfeld offenbar herumgesprochen. Das Theater war fast bis auf den letzten Platz gefüllt, die Zuschauer zeigten sich begeistert. Die Bemühungen von Direktorin Nikola Stadelmann haben sich also rentiert. Sie hatte das Stück in München gesehen und war derart beeindruckt, dass sie es unbedingt nach Kempten holen wollte. Es sei ein langwieriger Prozess gewesen, bis sie es geschafft hatte, verriet sie.