
Cellosonate
g-Moll op. 5/2
Violonsonate Es-Dur op. 12/3
Klaviertrio B-Dur op. 97 „Erzherzog-Trio“
Silke Avenhaus ist krank – die schlechte Nachricht kam am Tag nach der Totentanz-Premiere. Aber Konzertgestalter Franz Tröger wäre nicht der, der er ist, hätte er nicht wenig später schon einen Ersatz gefunden. Und was für einen: Jasminka Stancul, Gewinnerin des Internationalen Beethoven-Wettbewerbs Wien, derzeit „artist in residenz“ im Wiener Konzertverein und weltweit gefragte Solistin, die u.a. mit den Nürnberger Philharmonikern, dem Bruckner Orchester Linz, dem Orchestre des Paris, dem Los Angeles Philharmonic und dem Tokyo Symphonie Orchestra konzertierte.
So kommt es, dass das 5. Meisterkonzert im Stadttheater nunmehr unverhofft ganz im Zeichen des großen Ludwig van Beethoven stehen wird. Denn anstelle der Sonaten von Brahms und Ravel stehen nunmehr dessen Cellosonate g-Moll (mit Quirine Viersen am Violoncello) und die Violinsonate Es-Dur (mit dem Geiger Christian Altenburger) auf dem Programm. Ganz wie geplant werden die Drei im zweiten Teil Beethovens„Erzherzogtrio“ zu Gehör bringen. Man darf also gespannt sein auf einen hochkarätigen Kammermusikabend.
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(c) Christian Altenburger |
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Viel mehr als nur ein Ersatz
„Hangman“ kann man am schwarzen Bühnenvorhang im Theater-Oben
lesen, in großen weißen Lettern, neonbläulich angestrahlt. „Das ist schon die
Botschaft des Tanztheaters morgen Abend“, erklärt Theaterchefin Nikola
Stadelmann dem Publikum, das zur Einführung des 5. Meisterkonzerts ins
Stadttheater gekommen ist. „Aber heut’ wird nicht getanzt“, fährt sie fort und
beschwört damit bedauerndes Ooh-Raunen aus den prall gefüllten Zuhörerreihen
herauf. „Oder mag jemand tanzen von Ihnen?“ wendet sich die Hausherrin schlagfertig
halb ans Publikum, halb an Dr. Tröger und den Stargast des Abends, den Geiger
Christian Altenburger aus Wien. Tröger reagiert blitzschnell: „Getanzt wird
heut’Abend genug beim Opernball in Wien – mein Freund Altenburger hat das Glück
gehabt, seine Klavierpartnerin Jasminka Stancul davon loszueisen!“
Und damit ist man schon beim Thema: Sehr kurzfristig war die serbische Wahl-Wienerin Stancul für die erkrankte Pianistin Silke Avenhaus eingesprungen. Ein Ersatz, der mehr als ein Ersatz ist. Denn so dynamisch-flexibel und souverän, wie die Gewinnerin des Internationalen Beethoven-Wettbewerbs Wien dann beim Konzert auf der großen Bühne ihren Part zelebriert – bei Beethovens Cellosonate g-Moll genauso wie bei der Violinsonate Es-Dur und beim krönenden „Erzherzogtrio“– so überragt die weltweit gefragte Solistin auch männliche Beethoven-Spezialisten der Kammermusik-Szene. Gerade dieser Aspekt fasziniert beim 5. Meisterkonzert der Saison im fast vollen Haus. Weil in schönem, ungewohntem Kontrast zu dieser Pianistin aus Wien das Cello von Quirine Viersen gespielt wird. Die Niederländerin erlebt „ihren“ Beethoven auch sichtbar sehr sanft, fast süß, mit femininer Delikatesse. Beethoven– ein Sweetie? Das widerspricht unserer Hörgewohnheit, mehr nicht. Klarer Kontrast wiederum zu Quirine Viersens feinsinnigem Cellospiel: wie Christian Altenburger seine Violine anpackt, in Beethovenschem Furor die kleine Geige über den scheinbar übermächtigen Konzertflügel dominieren lässt. Wie er beim plötzlichen Sforzato einen Fechter-Ausfallschritt macht. Wie er bei hohen Tönen förmlich über sich hinauswächst, dem Ton körperlich-gefühlt nachfliegt …
Wunderschön harmonisch dann die Zugabe: das Adagio aus Beethovens Triosonate Nr. 11. Eine Versöhnungs-Feier. Über alle Kontraste hinweg. „Hangman“ ist erst morgen.
(Allgäuer Zeitung vom 18.02.2012, Rainer Schmid)