EINE FAMILIE
von Tracy Letts


Die Westons, eine typische amerikanische Mittelstandsfamilie in Osage County, Oklahoma, haben sich in der staubtrockenen Prärie ihre Träume von Wohlstand und Ansehen verwirklicht. Aber Liebe und Wärme sind längst mit Alkohol und Tabletten betäubt und in Ehescharmützeln und familiärem Kleinkrieg zerstört worden.

Vater Beverly, pensionierter Hochschuldozent und Dichter, verschwindet und lässt seine tablettensüchtige, krebskranke Ehefrau Violet allein zurück. Die drei problembeladenen erwachsenen Töchter und die Schwester reisen mit ebenso neurotischem Anhang in die Kleinstadt, um die Verlassene zu stützen. Doch das Familientreffen wird zum Schlachtfeld familiärer Konflikte, auf dem sich Violet grandios und bösartig gegen den Rest der Familie in Szene setzt. Beim Leichenschmaus für den inzwischen tot aufgefundenen Beverly führt sie einen grandiosen Eklat herbei, bei dem schließlich all die gut gehüteten Familiengeheimnisse ans Licht gezerrt werden und ein Entkommen nicht mehr möglich ist.

Tracy Letts hat mit „Eine Familie“ ein tragikomisches Familienepos geschrieben, in dem er die Theatertradition
von Eugene O'Neill und Tennessee Williams mit dem Humor der schwarzen Komödie verbindet. Es ist Letts’ böser Kommentar des amerikanischen Traums, ein ebenso scharf gezeichnetes wie unterhaltsames Generationenporträt, für das er 2008 mit dem renommierten Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde.

„Tragisch, komisch, brillant“, hieß es in der Premierenkritik der Nürnberger Nachrichten. „Eine Tragödie voller Situationskomik, raue Dialoge mit Witz, menschliche Abgründe – was will man mehr im Theater? Genau, gute Schauspieler und eine schlüssige Inszenierung. ‚Eine Familie‘ von Tracy Letts bietet all das…“ Stimmt, kann ich da nur sagen, denn auch ich war am Premierenabend in der Nürnberger Tafelhalle tief beeindruckt und bestens unterhalten – auch und vor allem von dem grandiosen Schauspielerensemble. Das würde ich wahnsinnig gerne in Kempten zeigen,  hatte ich die Nürnberger Kollegen damals gleich wissen lassen – und war eine glückliche Theaterdirektorin, als die Zusage dafür kam. Doch zu früh gefreut! Im Dezember 2010 erhielt ich die traurige Mitteilung, dass die geplante Wiederaufnahme des Stücks auf der großen Bühne des frisch sanierten Nürnberger Schauspielhauses nicht stattfinden kann – und damit auch das Gastspiel in Kempten „gestorben“ ist. Gut Ding braucht Weile, heißt es, und so findet die „verunglückte“ Liaison von „Familie“ und TIK nun doch noch ein Happy End. Und ich freue mich jetzt umso mehr, Ihnen – wenn auch ein Jahr später als ursprünglich geplant – Tracy Letts’ abgründige Tragikomödie in der, wie ich finde, exzellenten Inszenierung des Nürnberger Staatstheaters doch noch zeigen zu können.
( Nikola Stadelmann
)

Einführung 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn im THEaterOben.

Bilder


(c) Marion Bührle
   
   
   
   

Termine

28.03.2012 | Beginn: 20:00 | Stadttheater | Preise I (49,00 - 16,00 €)


Besetzung

Staatstheater Nürnberg

Regie: Enrico Lübbe
Regiemitarbeit: Torsten Buß 
Bühne: Hugo Gretler
Kostüme: Bianca Deigner

Mit Rainer Matschuck (Beverly Weston), Jutta Richter-Haaser (Violet Weston), Adeline Schebesch
(Barbara Fordham), Thomas Nunner (Bill Fordham), Anna Keil (Jean Fordham), Tanja Kübler (Ivy Weston),
Nicola Lembach (Karen Weston), Michaela Domes (Mattie Fae Aiken), Frank Damerius (Charlie Aiken),
Thomas L. Dietz (Little Charles Aiken), Josephine Köhler (Johnna Monevata), Jochen Kuhl (Sheriff Deon Gilbeau), Thomas Klenk (Steve Heidebrecht)



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