Scheinwelten
Spielzeit 2012/13
DER MEISTER UND MARGARITA
Schauspiel nach Michail Bulgakow
Der Teufel hält Einzug in Moskau. Gut getarnt als Professor Voland, begleitet von einem großen schwarzen Kater, stiftet er Unruhe und Verwirrung in der Stadt. Die Staatspolizei ist mit ihrer Macht am Ende. Menschen, die über die
merkwürdigen Ereignisse berichten, werden kurzerhand ins Irrenhaus gesteckt. Ein so genannter Verrückter begegnet dort dem „Meister“: einst Historiker an einem Moskauer Museum, gewann er zufällig hunderttausend Rubel und begann ein neues Leben als Schriftsteller. Damals verliebte er sich unsterblich in die verheiratete Margarita. Von seinem Roman „Pontius Pilatus“ wurde allerdings nur ein Kapitel veröffentlicht, was ihn sofort in die Klauen der Zensur brachte. Noch bevor er verhaftet werden konnte, ließ er sich freiwillig in eine psychiatrische Klinik einweisen – und verlor darüber tatsächlich den Verstand. Margarita sah er nie wieder.
Die aber hat nie aufgehört,
den Meister zu lieben. Mithilfe eines Gehilfen Volands gelingt ihr das Wiedersehen mit dem Meister auf einem Ball in der geheimnisumwitterten Sadowaja 302b, Wohnung 50…
Glaube und Wissenschaft, Gott und Teufel,
Gut und Böse, Liebe und Tod sind die zentralen Themen von Michail Bulgakows großem satirischen, aberwitzigen,
politisch subversiven Roman. Entstanden in den 1930er Jahren während der Stalin-Ära, kurz vor seinem Tod 1940 letztmals korrigiert, wurde der von der Zensur um gut ein Achtel gekürzte Roman bei seiner Erstveröffentlichung 1966 ein sensationeller Erfolg.
Einführung 45 Min. vor Vorstellungsbeginn im
THEaterOben am 17.12.
Mit kostenloser, professioneller Kinderbetreuung am 18.12.
Publikumsgespräch nach der
Vorstellung am 18.12.
Bilder
(c) Patrick Pfeiffer | |
(c) Patrick Pfeiffer | |
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Termine
Besetzung
Landestheater Tübingen
Regie: Thorleifur Örn Arnarsson
Bühne: Josef Halldorsson
Kostüme: Filippía Elísdottír
Musik: Simon Birgisson
Dramaturgie: Maria Linke
Der Meister: David Liske
Margarita: Nadia Migdal
Voland: Jessica Higgins
Korowjew: Silvia Pfändner
Behemoth: Britta Hübel
Der Genosse Diensthabender: Karlheinz Schmitt
Iwan Ponyrew, genannt Besdomny: Philip Wilhelmi
Michail Bulgakow: Gotthard Sinn
Michail Berlioz/George Bengalski: Martin Maria Eschenbach
Rjuchin/ Stjopa Lichodejew: Christian Beppo Peters
Verkäuferin/ Frieda: Meda Gheorghiu-Banciu
Kantinenleiter/Diener: Sascha Werginz
Pressestimmen
Reutlinger Nachrichten, 5. Dezember 2011
Wahnsinn unter der Pelzmütze (von Kathrin Kipp)
"Schon wieder ein dreistündiger Blockbuster am LTT: Die dramatisierte Fassung von Bulgakows Roman "Der Meister und Margarita" ist ein
schräges Teufelswerk, das bei der Premiere heftigst beklatscht wurde."
Reutlinger Generalanzeiger, 5. Dezember 2011
Beelzebubs Barmherzigkeit (von Christoph B.Ströhle)
Thorleifur Örn Arnarsson inszeniert »Der Meister und Margarita« am LTT als bildgewaltige Groteske
"Der Teufel lässt in Michail Bulgakows Roman »Der Meister und Margarita« mit sich reden. Sogar über Barmherzigkeit. Seine Handlanger lassen im Moskau der frühen Stalin-Ära Köpfe rollen und reichen Brechmittel. Vollends grotesk wird das Ganze, wenn, wie in der Inszenierung von Thorleifur Örn Arnarsson am LTT, der Leibhaftige und seine Helfer leidend am Kreuz hängen. Verkehrte Welt? Oder nur eine Pose? Der Isländer Arnarsson verweigert eindeutige Antworten und stellt
verwirrenden und starken Bildern vor schäbig tapezierten Stellwänden (Bühne: Josef Halldorsson) eine
erzählerische Klarheit zu Seite, die nie Gefahr läuft, Bulgakows vielschichtigen satirischen Roman auf eine wohlfeile Essenz zu verknappen. So bleiben Fragen, und das ist gut so."
Nachtkritik, 2. Dezember 2011
In drei Teufels Namen (von Otto Paul Burkhardt)
Thorleifur Örn Arnarsson entstaubt in Tübingen Bulgakows Jahrhundertroman
Nein, der Regisseur kultiviert keine Deutungshoheit. Sondern spiegelt das Bulgakow'sche Chaos in der frei flottierenden Vielfalt der Mittel. Immer wieder gelingen starke Szenen [...],
vielschichtige Inszenierung mit einem tragischen Kern. [...]
Die Regie findet
schillernde Bilder: So gruppieren sich die drei Teufel um Voland (Jessica Higgins) zu einem Kreuzigungs-Tableau à la Golgatha, vor dem sich, zu Louis Armstrongs "What a wonderful world", der Meister (David Liske) und Margarita (Nadia Migdal) ihrer Liebe versichern – Groteske, Komik, Tod und Erlösung liegen hier dicht beieinander. Der erzählte Bogen jedenfalls ist gewaltig. Anfangs dominiert die Satire, die bittere Polit-Bizarrerie – gegen Schluss hebt Arnarssons Tonfall ins Expressiv-Elegische ab. Und am Ende erstarren sie alle zu Statuen, die Dichter, die Bürokraten, die Teufel, die Liebenden. Bis ein Hausmeister hereinkommt und sie alle liebevoll entstaubt.