Werfen Sie einen Blick in die Beziehungskiste
Spielzeit 2011/12
MATCH POINT
Tanztheater von Jochen Heckmann
Uraufführung
Das Leben ein Spiel? Auf dem
Spielfeld Bühne versucht Choreograf Jochen Heckmann in seiner nunmehr vierten Arbeit für das TIK, dieser Frage „sportlich“ zu begegnen und lotet mit dem ihm eigenen Augenzwinkern die verschiedenen
Spielarten des Lebens aus. Mannschaft gegen Mannschaft, Mann gegen Mann, Mann gegen Frau, Frau gegen Frau, Eine/r gegen Alle oder umgekehrt – die Konstellationen sind vielfältig und meist geht es schnell zur Sache. Rivalitäten und Eitelkeiten treten zu Tage, Ehrgeiz flammt auf und Verlieren ist gar nicht so leicht. Erfolg und Misserfolg liegen so nah beieinander. Ist es wirklich
nur ein Spiel? Oder doch schon (bitterer) Ernst?
„Match Point“ fühlt den Spielern auf den Zahn, ohne jedoch den eigentlichen Beweggrund des Spiels aus dem Auge zu verlieren: das Vergnügen am Sich-Messen, den Spaß am Miteinander, die Spiellust.
Dass wir in irgendeiner Form weiter zusammenarbeiten würden, stand ohnehin fest, sind wir doch inzwischen ein extrem eingespieltes Team und haben ja nicht nur in Kempten immer wieder erfolgreich gemeinsame Sache gemacht. Dass mich Nikola nach ihrer Berufung zur Künstlerischen Direktorin des THEATERINKEMPTEN gleich für die erste Eigenproduktion ihrer Antrittsspielzeit anfragte, hat mich umso mehr gefreut. Nach der Erfahrung mit „Empfänger verzogen“ im Herbst 2009, unserer ersten Tanzproduktion im THEaterOben, haben wir uns bewusst entschieden, unser nächstes gemeinsames Stück wieder für die kleine Spielstätte des TIK zu konzipieren. Die physisch greifbare Nähe zwischen Tänzern und Zuschauern, die Möglichkeit einer wesentlich direkteren Interaktion reizt uns nach wie vor. Ausgehend von Nikolas Idee für das Spielzeitmotto „Spielwies’n“ und dem Wunsch, die vielfältigen Möglichkeiten und die besondere Intimität des THEaterOben erneut und wieder anders auszuloten, entwickelten wir die Idee, das Publikum diesmal in zwei gegenüberliegenden Blöcken an den schmalen Seiten des „TheO“ sich gegenübersitzen zu lassen, so dass die Zuschauer, während sie dem Spiel- bzw. Tanzgeschehen zwischen den Blöcken zusehen, sich – mehr oder weniger – selbst gespiegelt wahrnehmen können.
(Jochen Heckmann)
Ich musste nicht lange überlegen, wem ich die Tanz-Eigenproduktion der Spielzeit 2010/11 antragen würde. Dass es sogar die Eröffnungsproduktion werden sollte, ist dem Umstand geschuldet, dass der Kemptener TANZherbst als Kooperationsprojekt des Allgäuer Regionalverbands für zeitgenössischen Tanz e.V. und des THEATERINKEMPTEN künftig einen festen Termin im Theaterjahr als Prolog der TIK-Spielzeit bekommen hat. Da war es selbstverständlich, mit einer Eigenproduktion im Rahmen des Jubiläums-TANZherbsts 2010 in die neue Saison zu starten – und zwar am 20.10. um 20:10 Uhr. Die Idee, im THEaterOben eine Art „Tenniscourt-Situation“ zu schaffen, in der nicht nur die beiden Hälften des Spielfelds, sprich der Tanzfläche frontal gegenüberliegen, sondern im 90 Grad-Winkel dazu auch die beiden Zuschauertribünen, so dass eine doppelte „Face-to-face“-Anordnung entsteht, spiegelt sehr schön die Grundidee unseres Stücks über das Gegen- und Miteinander in zwischenmenschlichen Beziehungen wider. Und es passt zu unserem Spielzeitmotto „Spielwies’n“, mit dem wir unser Publikum anstecken wollen mit unserer Freude am Spiel. Das Leben ein Spiel? „Die ganze Welt ist eine Bühne und alle Frau’n und Männer bloße Spieler“, wusste schon William Shakespeare. Wir wollen die Zuschauer einladen „mitzuspielen“.
(Nikola Stadelmann)
Einführung 45 Min. vor Vorstellungsbeginn.
Bilder
(c) Anton Asen | |
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Termine
20.10.2010
| Beginn: 20:10 | THEaterOben |
Preise I (29,00 - 19,00 €)
30.10.2010
| Beginn: 19:00 | THEaterOben |
Preise I (29,00 - 19,00 €)
31.10.2010
| Beginn: 16:00 | THEaterOben |
Preise I (29,00 - 19,00 €)
19.11.2010
| Beginn: 20:00 | THEaterOben |
Preise I (29,00 - 19,00 €)
20.11.2010
| Beginn: 19:00 | THEaterOben |
Preise I (29,00 - 19,00 €)
Besetzung
Choreografie: Jochen Heckmann
Bühne & Kostüme: Angela Loewen
Dramaturgie: Nikola Stadelmann
Licht: Günther Schweikart
Es tanzen:
Caroline Finn
Patricia Rotondaro
Ivonne Kalter
Corneliu Ganea
Jochen Heckmann
Eigenproduktion des THEATERINKEMPTEN
Pressestimmen
Kempten (Klaus-Peter Mayr) | 22.10.2010 08:32 Uhr
Spiel, Satz und Sieg
Jochen Heckmanns humorvoll-athletische Choreografie «Match Point» im Stadttheater:
So macht modernes Tanztheater Spaß - Raffiniertes Bühnenbild mit Bierkisten
Kemptens Theaterdirektorin Nikola Stadelmann erklärte ihr Haus für die nächsten neun Monate zur «Spielwiesn». Schon bei der ersten Eigenproduktion zum Saisonstart hat sie - um im Bild zu bleiben - einen schönen Sieg eingefahren. Das Publikum sah bei der ausverkauften Uraufführung des Tanztheaters mit dem sinnigen Titel «Match Point» eine unterhaltsame Partie mit einem starken Team.
Spiel, Satz und Sieg
Dessen Kapitän ist ein Altbekannter im Theater in Kempten (TiK): Jochen Heckmann. Er hat seit der Wiedereröffnung des Hauses im Jahr 2007 schon dreimal Tanz auf die Bühne gebracht - mit durchwachsenem Erfolg. Doch Cheftrainerin Stadelmann, mit Heckmann schon lange verbunden, hielt an dem Tänzer und Choreografen fest. Was sich diesmal voll auszahlte.
Heckmann scharte für «Match Point» vier junge, aber schon recht reife und ausdrucksstarke Tänzerinnen und Tänzer um sich und gewann die erfahrene Angela Loewen fürs Bühnenbild und die Kostüme. Ein schlagkräftiges Team. Auch der Austragungsort war gut gewählt. Die Mannschaft lief im kleinen Saal, dem Theater-Oben, auf, das wie eine Arena gestuhlt war.
Sport ist kein Spaß
Die rund 160 Zuschauer wurden in zwei Hälften aufgeteilt und setzten sich auf gegenüberliegende Tribünen. Getanzt wurde auf einem sechs mal zwölf Meter großen Rechteck zwischen dem Publikum. Eine gute Platzwahl. Tanz wird so zu einem hautnahen Erlebnis: Die Zuschauer sehen, wie sich die Muskeln und Sehnen spannen und entspannen, sie spüren den Lufthauch von Bewegungen, riechen die Körper, kriegen auch mal einen Schweißtropfen ab. Ja, es wurde richtig gekämpft in dieser Partie. Jochen Heckmann und seine Mitstreiter Caroline Finn, Corneliu Ganea, Ivonne Kalter und Patricia Rotondaro beackern das weite Feld des Sports.
Sport ist alles - bloß kein Spaß. Es gibt kaum einen ruhigen Augenblick in diesen zweimal 45 Minuten. Nur am Anfang, da schleichen sich die fünf Tänzer leise auf den Platz. Aber gleich beginnt eine Art Reise nach Jerusalem. Erst konkurrieren die einzelnen Spieler-Tänzer um den freien Stuhl, später um den Sieg. Sie buhlen um die Gunst des Publikums, schleichen als Verlierer vom Feld, müssen sich im Duell Mann-gegen-Mann oder Frau-gegen-Frau behaupten. Sind aggressiv und nachgiebig, freuen sich und sind enttäuscht, triumphieren und zeigen sich irritiert. Nette Mädchen verwandeln sich in geifernde Zicken, Burschen in Bengel. Selbst Liebesspiele geraten zu Wettkämpfen.
Beschleunigen und Verdichten
Für all diese sportlich-menschlichen Regungen, die bisweilen wie Kleinkinderspiele wirken, hat Jochen Heckmann sich eine flüssige, schlüssige Choreografie mit viel Humor, Ironie und Athletik einfallen lassen. Da geht es mal Vier gegen einen oder 3 gegen zwei. Zur Abwechslung dürfen mal zwei miteinander. Wunderbar beschleunigen und verdichten die Tänzer ihre Bewegungen, raffiniert werden Sequenzen gespiegelt und variiert.
Wer dann mal siegt, darf aufs Treppchen und den Pokal küssen. Beides, Treppchen und Pokal, sind banale graue Bierkisten. Mehrere Dutzend stehen auf der Bühne herum, bilden mal den Spielfeldrand, mal eine Mauer, dienen als Schlittschuhe oder Hürden. Auch das eine super Idee mit super Umsetzung.
Wer modernes Tanztheater auf solche Weise inszeniert, wird Freunde gewinnen für diese Kunstform, die im Allgäu immer noch ein ein Mauerblümchen-Dasein fristet. Das Publikum bei der Premiere hatte jedenfalls seine helle Freude. Spiel, Satz und Sieg für Heckmann und das Theater in Kempten.
Weitere Aufführungen am 30. Oktober (19 Uhr), 31. Oktober (16 Uhr), 19. November (20 Uhr) und 20. November (19 Uhr). Karten bei der Allgäuer Zeitung, Telefon 0831/206-430.
Kreisbote Kempten, 27.10.2010
Von Siegern und Verlierern
Tanztheater »Match Point« entführt in die Welt des Sports
Kempten – In der Welt des Sports hat der Tänzer und Choreograph Jochen Heckmann sein Tanztheater „Match Point“ mit Witz und Hintersinn aufs Spielfeld gebracht. Vergangene Woche feierte es im TheaterOben eine gelungene Uraufführung. Zum Auftakt der neuen Saison des TheatersInKempten (TIK), der erstmals im Rahmen des Tanzherbstes stattfand, hat Heckmann in seiner vierten Choreographie für das TIK ein ausgefeiltes Spiel des Lebens inszeniert und choreographiert, das im Sport sein komprimiertes Ebenbild fand: Wettstreit mal mit Teamgeist, mal als Einzelkämpfer, Ehrgeiz, Rivalität und Eitelkeiten, auf dem Treppchen im Rampenlicht stehen
oder in der Bedeutungslosigkeit verschwinden, Gemeinsamkeit und Einsamkeit, Siegesrausch und Niederlage – und auch die Freude am Sich-Messen und einfach die Lust am Spiel beherrschten die Szenen. Wie bei einem Tennismatch konnten die Zuschauer auf Tribünen längs des rechteckigen Spiel- beziehungsweise Bühnenfeldes, ganz nah dran, mitfiebern. Abgesehen vom ersten „Match“, bei dem sich das ausdrucksstarke
Tanzteam – Caroline Finn, Patricia Rotondaro, Ivonne Kalter, Corneliu Ganea und Jochen Heckmann – still
und leise in den vom Sportsgeist beseelten Ring des Lebens schlich, waren es schnelle, zeitweise schon athletische Sequenzen, die das Publikum im ausverkauften TheaterOben zweimal 45 Minuten lang in Atem hielt.
Bilder, die, wie der Fehlstart beim Schwimmwettbewerb, der harten Wirklichkeit des Leistungssports entlehnt sind, wechselten mit spielerischen Szenen, die ihre Inspirationsquelle in Kitas oder ähnlichem vermuten ließ.Aber die Welt der Erwachsenen machte auch aus der zunächst harmlos beginnenden, leicht modifizierten
„Reise nach Jerusalem“ bald einen ehrgeizigen Kampf um den Sieg.
Vielfältige Aufnahmen
So vielfältig die Momentaufnahmen der Spielarten des Lebens über das Spielfeld – oder auch mal durch das fiktive Schwimmbecken – rauschten, so rasch und wechselhaft formierten sichdie Konstellationen im Kräftemessen: Frau mit oder gegen Frau oder selbiges unter Männern, natürlich auch imgemischten
Einzel- oder Doppel und schlussendlich alle gegen einen oder umgekehrt. Blieb bei der ersten Spielhälfte noch die eine oder andere Verständnisfrage offen – was der Sache keinen Abbruch tat –, wurde es in der zweiten konkreter und leichter nachvollziehbar. Dass weniger manchmal mehr ist, bewies Angela Loewen mit einem
feinen Händchen für Bühnenbild und Kostüme. Ersteres bestand aus stapelweise grau gestrichener Bierkisten, die als Einfassung des Spielfeldes, als Turm, als Mauer, als Siegerpodest, Schlittschuhe, Startblöcke und was nicht noch alles fungierten. „Erfolg tut gut“, steht im Umschlag des Programmhefts zu „Match Point“. Mit dem Tanztheater hat das TIK schon mal einen erfolgreichen Saisonstart hingelegt. ct