Scheinwelten
Spielzeit 2012/13
FAUST FICTION
Solo für einen Schauspieler frei nach Johann Wolfgang von Goethe
von und mit Michael Miensopust
Uraufführung
Große Stoffe im kleinen Format
Ein Mann und ein großer Stoff der Weltliteratur: Wer den Regisseur und Schauspieler Michael Miensopust schon mit seinen Parzival- und Macbeth-Adaptionen im THEATERINKEMPTEN erlebt hat, weiß, dass er die Premiere von „Faust Fiction“ am 13. Mai keinesfalls verpassen darf! Auf Einladung des TIK hat sich Miensopust zusammen mit Dramaturgin Nikola Stadelmann Goethes „Faust“ „vorgeknöpft“ und verwandelt den großen Klassiker in ein Erzähltheater der besonderen Art. Aus der Faustischen Sinnsuche entwickelt sich eine abenteuerliche Reise durch Zeit und Raum, bei der die Grenzen zwischen Realität und Fiktion immer mehr verwischen: Wer ist dieser wissensdurstige Doktor Faust, der mit dem gefallenen Mephistopheles eine Wette abgeschlossen hat und stetig auf der Suche nach größerem Glück ist?
Mit der Uraufführung von „Faust Fiction“, der dritten Eigenproduktion des THEATERINKEMPTEN in der Spielzeit 2010/11, erwartet das Publikum ein außergewöhnlicher theatraler Leckerbissen, der großartiges Theater mit bester Unterhaltung verbindet.
Ich habe mir den Faust immer als einen Film vorgestellt, als ein Roadmovie mit klassischem Text. Ein etwas heruntergekommener Mephisto und der Sinnsucher Faust in einem alten Cadillac auf einem Highway nach Texas, Auerbachs Keller ein Diner voller Burger essender Trucker und die Hexenküche eine Imbissbude irgendwo in der Wüste. Aus der Verfilmung wurde bisher nichts. Aber als Nikola mit der Idee auf mich zukam, zusammen ein Solo-Stück fürs THEaterOben zu erarbeiten, konnte ich mir diesen Stoff, sozusagen als "Film im Kopf", gleich sehr gut als Erzähltheater vorstellen. Meine Erfahrungen mit dieser sehr reduzierten Form des Theaters haben mich gelehrt, dass die Zuschauer oft viel mehr "sehen", obwohl nur sehr wenig da ist, dass diese Spielart, wenngleich manchmal als "armes" Theater abgetan, reicher und eindrücklicher sein kann als so manche Ausstattungsorgie und effektvoller als ein Hollywoodfilm.
(Michael Miensopust)
Ideen für die Eigenproduktion im THEaterOben gab es viele. Vorgabe war eine kleine Besetzung. Darüber hinaus war mir wichtig, mit unseren eigenen Inszenierungen möglichst unterschiedliche und immer wieder neue Spielformen zu zeigen und zu erarbeiten. Aufgrund der intensiven Zusammenarbeit mit Michael bei der Konzeption des Kinder- und Jugendtheaterspielplans und mehrerer schöner und erfolgreicher gemeinsamer Projekte in früheren Jahren war es eigentlich keine Überraschung, dass wir irgendwann anfingen, Pläne für ein neues gemeinsames Projekt zu spinnen. Zuletzt hatten wir miteinander ein Kinderbuch für die Bühne bearbeitet und ich war dabei, als seinerzeit Michaels hinreißendes "Parzival"-Solo entstanden ist, und so kristallisierte sich recht bald die Idee heraus, eine eigene Adaption eines klassischen Stoffs zu wagen. Unter all den literarischen Helden, die wir für unser Vorhaben unter die Lupe nahmen, hat letztlich ein gewisser Heinrich Faust das Rennen gemacht. Denn als mir Michael von seiner Roadmovie-Idee erzählte, gab 's kein Zurück mehr auf dem "Highway to hell". Seitdem sprudeln die Einfälle. Wir werden sehen, wohin uns Mephisto in seinem Cadillac mitnimmt.
(Nikola Stadelmann)
Einführung 45 Min. vor Vorstellungsbeginn.
Bilder
(c) Herrmann Ernst | |
(c) Michael Miensopust | |
(c) Herrmann Ernst | |
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Termine
30.01.2013
| Beginn: 20:00 | THEaterOben |
Preise I (29,00 - 19,00 €)
29.01.2014
| Beginn: 20:00 | THEaterOben |
Preise I (29,00 - 19,00 €)
Besetzung
Idee: Nikola Stadelmann und Michael Miensopust
Regie und Spiel: Michael Miensopust
Musik: Christian Dähn
Eigenproduktion des THEATERINKEMPTEN
Pressestimmen
Allgäuer Zeitung vom 18.05.2011
Kempten/ Jana Schindler
Fahrt zur Hölle
Theater in Kempten | Goethes „Faust“ wird in Michael Miensopusts
Ein-Mann-Version des Dramas zur geistreich-frechen Fiktion
Die letzte Eigenproduktion des Theaters in Kempten in dieser Spielzeit heißt «Faust Fiction» und ist eine Ein-Mann-Bühnenshow. Mit dem in Kempten mittlerweile bekannten Michael Miensopust in der Hauptrolle, aber auch als sein eigenen Regisseur. Als Kandidat einer möglichen Casting-Show bekommt er sein Stichwort aus dem Bühnen-Himmel zugeworfen: ein Reclam-Heftchen von Goethes Faust. Spiel, Vogel, oder stirb! Oder sing! Das Reclamheft klebt an der Hand des Protagonisten, und selbst wenn er es in den unheimlich rot und grün wabernden Papierkorb schmeißt, kommt es klettenartig an der anderen Hand wieder zum Vorschein. Die Faust-Geister, die er rief, wird er nicht mehr los.
Fahrt zur Hölle
Das Universaldrama als Erzählsolo, das «vom Himmel durch die Welt zur Hölle» verläuft, wird in Kempten auf einem «Highway to hell», wie die Rockband AC/DC röhrend kommentiert, gegeben. Und das in AC/DC-Tempo. Die Reise, die fürs erste in die kleine Welt führt, wird mit zwei feuerroten Sitzen zitiert, die neben einer Straßenlaterne stehen und eher an die unbequemen Plastikschalen alter Straßenbahnen als an ein bequemes Cabrio erinnern. Goethe hat seine Zeit durch sein Lebenswerk «Faust» gedeutet, Miensopust leuchtet mit seiner Fiktion von «Faust» unsere Zeit aus.
Fausts Verjüngung soll per Schönheitsoperation gelingen, oder es muss - wenns natürlicher sein soll - jeden Tag Yoga absolviert werden. Dass Gretchen ihr Kind umgebracht hat, erfährt Faust durch die Nachrichten. Dann ruft er in der Psychiatrie an und versucht Gretchen wieder ins Leben zurückzuholen. Bei diesem Zugriff verzichtet Miensopust auch auf die Wörtlichkeit des Textes zugunsten einer aktualisierenden Verdeutlichung («Du siehst mit diesem Trank im Leibe, bald Heidi Klum in jedem Weibe»).
Ist dieser Mann, der den literarischen Nationalhelden der Deutschen derart durch die Mangel nimmt, einfach nur frech-dreist oder geistreich-verspielt? Michael Miensopust ist beides. Er ist ein wuchtiger Stück-Zertrümmerer und ein umso sensibler Wiederaufbau-Meister.
Er nimmt den Goetheschen Text als Material und greift dann tief in die Werkzeugkiste der eigenen medialen und theatralen Erfahrungen, der neuesten Erkenntnisse von Wissenschaft und Forschung und verquirlt das alles zu einer Erzähl-Collage.
Abgenudelte Goethe-Verse werden ironisch kommentiert («Oh ne, das ist jetzt aber eine Gretchen-Frage.) Unvermeidlich, dass da des Pudels Kern zurechtgestutzt oder haarscharf an der Parodie vorbeigeschrammt wird. Dem Publikum gefiels. Großer Applaus im kleinen Saal des Stadttheaters für einen großen Spielwütigen.
Kreisbote Kempten, 18.05.2011
Begeisternde Ein-Mann-Show
Von CHRISTINE TRÖGER
Kempten – „Unterschreib mit einem Tropfen Blut. Winnetou und Old Shatterhand haben das auch so gemacht“, umschmeichelte Mephisto Dr. Heinrich Faust, den Vertrag zu unterzeichnen. Goethes Faust bei aller Ernsthaftigkeit des Inhalts mit unterhaltsamem Witz? Warum nicht? Im Ein-Mann-Erzähltheater „Faust Fiction – Ein virtuelles Roadmovie frei nach Goethe“ zeigte das TheaterInKempten (TIK) in seiner rundum gelungenen dritten Eigenproduktion der Spielsaison, wie das funktioniert.
Die Idee zur kurzweiligen, von hintersinnig-humorvollen Einfällen strotzenden Adaption des großen Klassikers haben Theaterdirektorin Nikola Stadelmann und der schlichtweg geniale Darsteller Michael Miensopust, der bereits mit seinen Parzival- und Macbeth-Adaptionen im TIK brillierte, gemeinsam entwickelt. Die Geschichte in Kurzform: der angesehene Lehrer Heinrich Faust zieht eine niederschmetternde Lebensbilanz und verspricht dem Teufel seine Seele, sollte es ihm gelingen ihn von seinen Selbstzweifeln zu befreien. Dieser verjüngt seinen „Vertragspartner“ und spielt ihm Gretchen in die Arme, die ihre Mutter sowie das gemeinsame uneheliche Kind tötet und dafür hingerichtet werden soll. Wie im Original so auch in der „Fiction“: „Gretchen ist gerichtet“, ertönt es aus Mephistos Mund, doch Engelsstimmen beruhigen den besorgten Faust, aus der Straßenlaterne verkündend „Gretchen ist gerettet“.
Grandioses Wechselspiel
Problemlos, im bisweilen rasanten Wechsel, schlüpfte Miensopust von der Haut des etwas heruntergekommenen Mephisto in die des sinnsuchenden Faust, fand sich im betörenden Gretchen, streifte deren Nachbarin Marthe und mimte auch noch Valentin, den Rache üben wollenden Bruder Gretchens. Klar, oft nur durch kleine, nicht weniger wirkungsvolle Bewegungen angezeigt, waren Mimiken und Gesten des energiesprühenden Schauspielers im Wechselspiel der Rollen. Spärliche Requisiten sowie das auf eine Bank und einen an einer Straßenlaterne befestigten Mülleimer inklusive Telefon reduzierte Bühnenbild, ließ der Fantasie der rundweg begeisterten Zuschauer zudem großen Spielraum.
Die Reise auf dem „Highway to Hell“ durch die Welt traten Mephisto und Faust, wie zwei alte Kumpels beim Junggesellenabschied, im Cadillac an. Auch wenn viele Szenen in der Gegenwart angesiedelt waren und Textpassagen sich frei entfalteten, blieb das Stück mit zahlreichen Originalpassagen doch durchgehend nah am ursprünglichen Goethe-Text. Dass die Hexenküche, in der Faust seinen Verjüngungs- und Liebessehnsuchtstrunk gebraut bekam, die Assoziation mit einem Drive-In-Restaurant in einer eher abgehalfterten Gegend mehr als nahe legte, dass Mephisto gelegentlich deftige Unwörter entschlüpften oder dieser die intime Begegnung von Faust und Gretchen mit Handpuppen – doppelsinnig? – eigenhändig führte: Vielleicht gesellte sich dadurch zu den in Goethes Faust aufgeworfenen Fragen nach Gut und Böse, Himmel und Hölle, Sinn des Lebens und was die Welt zusammenhält noch eine vor allem die Jetztzeit betreffende Frage: Wie steht es um Abgestumpftheit oder Respekt?
„Vielleicht mache ich Dich zum Verteidigungsminister“, brabbelte Mephisto am Ende des Stücks, bereits Pläne für einen zweiten Teil „Faust Fiction“ schmiedend, und verließ das Kemptener TheaterOben ganz und gar zeitgemäß auf einem Segway.
Allgäuer Zeitung vom 10.05.2011
Kempten/ Jana Schindler
Goethes «Faust» als Roadmovie
Schauspieler Michael Miensopust setzt den Klassiker ganz allein in Szene
Die dritte und letzte Eigenproduktion der aktuellen Spielzeit feiert am 13. Mai Premiere
Michael Miensopusts Blick geht unruhig schweifend durch den kleinen Theaterraum. Die Gäste des Theatercafés im Theater-Oben haben sich gerade erhoben, die Gläser werden von den Tischen geräumt.
Vom Gesprächspodium wird der Tübinger direkt auf die technische Einrichtungsprobe seines Stückes «Faust Fiction» auf der Kemptener Bühne stolpern. Schaut der Tübinger mit der ausgeprägten Augenpartie nun faustisch oder mephistophelisch drein? Schwer zu sagen.
Vorgenommen hat er sich ja, beides zu sein. Faust und Mephisto. Und natürlich auch Gretchen und Wagner und die Hexen und und und. Das ganze Goethesche Faust-Universum will der Schauspieler, der gleichzeitig auch sein eigener Regisseur ist, als Erzähl-Solo auf die Kemptener Bühne bringen. «Der große Mann der großen Stoffe im kleinen Format», wie ihn Theaterdirektorin Nikola Stadelmann vorstellt, zog schon mit der Adaption von Parzival und Macbeth das Kemptener Publikum in seinen Erzähl-Bann und entwickelte sich vom Geheimtipp zum Kult-Star. Wobei er sich über das Wort «Karriere» in Bezug auf seinen eigenen künstlerischen Weg ebenso koboldhaft amüsieren kann wie über die Anekdote, dass schon sein erstes Schauspielschulerlebnis eine Begegnung mit dem Fauststoff war. Da habe ihm eine sehr alte Theaterdame auf den Kopf zugesagt: «Du bist ein Mephisto.
» Vielleicht weil sein ursprünglicher Wunsch gar nicht die Schauspielerei war, vielleicht deshalb ist der bald 50-Jährige so uneitel und menschlich so nahbar, dass er die Herzen und Zungen der Kemptener zu öffnen vermag. Das Publikum des Theatercafés jedenfalls zeigte sich wieder sehr offenherzig.
Aber wieso Faust als Fiktion? Der ursprünglich nur als Arbeitstitel fungierende Titel spielt mit den Assoziationen des Filmtitels «Pulp Fiction», wie Stadelmann als Dramaturgin erklärt. «Ich habe mir den Faust immer als einen Film vorgestellt, als ein Roadmovie mit klassischem Text», sagt Miensopust über die mit Stadelmann gemeinsam entwickelte Idee zu der dritten und letzten Eigenproduktion des TiK in dieser Spielzeit. Das ist zugegeben ein sehr freier Zugriff auf den Stoff, an dem Goethe selbst sich mehr als die Hälfte seines Lebens abarbeitete.
«Bei solch einem unverkrampften Ansatz erscheint einem Faust viel menschlicher», betont Stadelmann «Ich muss ihn selbst für mich entdecken und versuche, ganz naiv an den Text heranzugehen», erklärt Miensopust seinen Zugang zu neuen Stoffen. So kann er sein Vorhaben umsetzen, die Essenz der Geschichte mit Hilfe von Figuren- und Objekttheater zu erzählen. «Links das Müsli, rechts der Goethe», fasst Miensopust seine letzten Arbeitswochen zusammen.
Premiere ist an einem «mephistophelischen» Datum: Freitag, 13 Mai, um 20 Uhr im Theater-Oben (mit Premierenfeier). Einführung um 19.15 Uhr. Weitere Termine: 14. Mai (19 Uhr), , 20. Mai (20 Uhr), 21. Mai (19 Uhr); Einführung jeweils eine dreiviertel Stunde vorher.